EPR-Systeme in Europa: Monopol oder Wettbewerb?

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Schaut man auf die Systeme für Erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) in Europa, stellt man einen bunten Mix unterschiedlicher Herangehensweisen fest – vom Monopol über das Quasi-Monopol bis hin zum Wettbewerbsmodell. Stellt sich die Frage, was besser funktioniert? Eine aktuelle Studie untersucht genau diese Frage. Wir haben die Studie analysiert und stellen Ihnen die wichtigsten Erkenntnisse in kompakter Form vor.

 

Fragestellung und Herangehensweise

Inhalt der Studie Effizienz und Wirksamkeit von Verpackungs-EPR-Systemen in der EU ist eine vergleichende Analyse von Systemen der erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) für Verpackungen in acht EU-Mitgliedstaaten. Im Fokus stand dabei die Frage, welche Systemausgestaltung eine höhere Recyclingquote erreicht und dabei faire, nachhaltige Kosten gewährleistet.

Dafür wurde die Leistungsfähigkeit der EPR-Systeme anhand von vier Performance-Kategorien untersucht:

  • Umweltleistung
  • Kosten und Wirtschaftlichkeit
  • Systemdesign und Governance
  • Innovationsfähigkeit

 

Autoren und Auftraggeber der Studie

Durchgeführt wurde die Studie von Adelphi, das nach eigener Aussage Europas führender unabhängiger Think-and-Do-Tank für Klima, Umwelt und Entwicklung und strategische Politikberatung ist. Finanziell unterstützt wurde die Studie von den folgenden in Deutschland tätigen Systembetreibern: BellandVision GmbH, Duales System Deutschland GmbH, EKO-PUNKT GmbH & Co. KG, Interzero Recycling Alliance GmbH, Landbell AG für Rückhol-Systeme, Noventiz Dual GmbH, PreZero Dual GmbH, Reclay Systems GmbH, Zentek GmbH & Co. KG.

 

Studienergebnisse

 

Deutschland, Belgien, Italien und die Niederlande gehören zu den leistungsstärksten Ländern – jedoch aus unterschiedlichen Gründen.

  • Deutschland zeigt sich sowohl übergreifend als auch in den vier betrachteten Einzelkategorien relativ klar als Gewinner. Das Land profitiert von einem starken Wettbewerb der Producer Responsibility Organisations (PRO), einer strengen Regulierung und einer umfangreichen Infrastruktur.
  • Belgien zeigt, dass ein Monopolmodell hervorragende Ergebnisse erzielen kann, wenn Finanzierungssicherheit, klare Verantwortlichkeiten und operative Kontrolle gegeben sind.
  • Italien überzeugt im Bereich Glas und Papier durch eine Kombination aus zentraler Steuerung und regionalen Optimierungsstrukturen.

Wettbewerb

Wettbewerb erweist sich als Vorteil, wenn Producer Responsibility Organisations tatsächliche operative Aufgaben übernehmen und nicht nur Geld verteilen. So zeigt sich am Beispiel von Deutschland, dass Wettbewerb zu Innovation, Kostenreduktion und besserer Servicequalität führt – vorausgesetzt, eine Regulierung verhindert Marktversagen und sichert Transparenz. Gleichzeitig zeigt sich in Frankreich, dass Wettbewerb ohne klare Materialverantwortung zu ineffizienten Ergebnissen führen kann.

Kosteninternalisierung

Die Studie unterstreicht, dass vollständige Kosteninternalisierung eine entscheidende Voraussetzung für wirksame EPR-Systeme ist. Systeme, in denen Kommunen operative Entscheidungen treffen und Producer Responsibility Organisations nur Finanzmittel verteilen, schneiden im internationalen Vergleich schlechter ab. Das gilt insbesondere bei Kunststoffen, wo Sortier- und Recyclingqualität entscheidend sind.

Innovationsfähigkeit

Neben Umwelt- und Kosteneffizienz analysiert die Studie auch Innovationsfähigkeit. Hier zeigt sich, dass wettbewerbliche Systeme häufig mehr experimentieren, neue Sortiertechnologien einführen und Recyclingmärkte für hochwertige Rezyklate entwickeln. Monopolistische Systeme hingegen profitieren von strategischer Kohärenz und Planungssicherheit, was stabile Langfristentwicklungen ermöglicht.

 

Fazit

Die Ergebnisse der Studie liefern einerseits eine fundierte Grundlage für Politik und Wirtschaft, um die Umsetzung der neuen Verpackungsverordnung (PPWR) in Europa zu unterstützen. Gleichzeitig wird deutlich, dass selbst Länder mit ähnlichen rechtlichen Vorgaben sehr unterschiedliche Ergebnisse erzielen.

Die Ergebnisse legen nahe, dass strukturpolitische Grabenkämpfe (Wettbewerb vs. Monopol) zu kurz greifen. Entscheidend sind nach Ansicht der Autoren vielmehr

  • Governance-Niveau,
  • operative Verantwortung,
  • Datenqualität,
  • Kostentransparenz und
  • die Fähigkeit, regulatorische Ziele in marktfähige Strategien zu übersetzen.


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