Heinz und Tesco starten Recycling-Pilot für Thermoform-Verpackungen

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Verpackungen aus Thermoform gelten als schwer wiederverwertbar und führen beim Recycling bislang nur ein Schattendasein. Der Markenartikler Kraft Heinz Company und die Handelskette Tesco starten deshalb in Großbritannien ein Pilotprojekt. Im Zentrum stehen neu entwickelte Verpackungen für „Heinz Beanz Snap Pots“, die zu 39 Prozent aus ISCC PLUS-zertifiziertem, recyceltem Kunststoff bestehen. Das Experiment mit einem handelsnahen Rücknahmesystem ist hochspannend. Es widmet sich einem bisherigen „Material-Sorgenkind“ und umschifft zugleich die schwierige haushaltsnahe Entsorgung. Markenartikler und Handel treiben die Kreislaufwirtschaft weiter mit Hochdruck voran. Gut so, denn gerade der Handel könnte beim Thema Recycling einen riesigen Hebel bieten.

 

Die „Heinz Beanz Snap Pots“ enthalten Heinz Bohnen in einer reichhaltigen Tomatensauce und sind in Großbritannien eine sehr beliebte Beilage. Typischerweise werden für diese Art Lebensmittel Thermoform-Verpackungen verwendet, die allerdings bislang nicht im Kreislauf landeten. So wurden im Jahr 2020 nur 6 Prozent der Thermoform-Verpackungen in Großbritannien stofflich wiederverwertet.

Das neue, im Juli 2022 gestartete Pilotprojekt von Heinz und der Supermarktkette Tesco will diese Lücke schließen – mit einer neu entwickelten Verpackung und einem handelsnahen Rückgabesystem.

 

Snap Pots

Snap Pot-Verpackungen erfreuen sich bei Verbraucherinnen und Verbrauchern großer Beliebtheit. Sie sind einfach in der Handhabung, haben ein praktisches Format, eigenen sich für die Mikrowelle und bieten einen guten Produktschutz.

 

Die Partner der neuen Kreislauf-Verpackung

Für das Pilotprojekt hat Heinz gemeinsam mit dem Verpackungshersteller Berry Superfos, dem Chemischen Recycler Plastic Energy und dem saudi-arabischer Chemie- und Metall-Konzern Sabic eine neue, kreislauforientierte Version der Snap Pots entwickelt.

 

Validierung des Recyclinganteils

Die neuen Snap Pots bestehen zu 39 Prozent aus ISCC PLUS-zertifiziertem, recyceltem Kunststoff. Die Validierung erfolgt nach einem Massenbilanzansatz nach Empfehlung von ISCC (International Sustainability & Carbon Certification). Er erlaubt die Verfolgung der Menge und der Nachhaltigkeitseigenschaften aller im Herstellungsprozess verwendeten Materialien.

 

Kreislauf und Herstellungsprozess

  • Der Recyclinganteil der neuen Snap Pots stammt von Thermoform-Verpackungen, die von Konsumenten und Konsumentinnen nach Gebrauch in Sammelstellen von Tesco-Filialen abgegeben wurde.
  • Die in den Handelsfilialen gesammelten Verpackungen werden physisch getrennt und danach von Plastic Energy in einen Ölrohstoff umgewandelt.
  • Der gewonnene Ölrohstoff wird in der Folge von Sabic mit Neumaterial kombiniert und zu neuen, für den Lebensmittelkontakt zugelassenen Kunststoffgranulaten verarbeitet.
  • Das Granulat wird schließlich an einem ISCC-zertifizierten Standort von Berry Superfos zu neuen Snap Pots verarbeitet.

 

Verpackungs-Ziele von Heinz

Mit dem Pilotprojekt will The Kraft Heinz Company auf sein Ziel einzahlen, bis 2025 alle eingesetzten Verpackungen zu 100 Prozent recycelbar, wiederverwendbar oder kompostierbar zu machen.

 

Handel = Hebel

Markenartikler und Handel treiben die Kreislaufwirtschaft weiter mit Hochdruck voran. Gerade der Handel bietet hier einen riesiges Potential, da er die schwierige haushaltsnahe Sammlung von Verpackungen umschifft. Es wird spannend sein, zu beobachten, ob die Verbraucherinnen und Verbraucher bei dem handelsnahen Rücknahmesystem mitspielen. Akzeptieren sie das System, bietet sich ein enormer Hebel für Sammlung und Wiederverwertung.

 

Theoretisch reicht nicht

Der Ansatz von Heinz und Tesco ist nur zu begrüßen. Denn eines ist klar: Recyclingfähigkeit alleine klingt zwar gut, aber entscheidend ist das Ergebnis in der Praxis. Wir müssen real in der Lage sein, gebrauchte Verpackungen einzufangen und der stofflichen Wiederverwertung zuzuführen. Alles andere ist Augenwischerei.


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    Thomas Reiner

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