Kunststoff: Mehrheit der Lebensmittelkonzerne halten ihre Versprechen nicht ein

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Laut einer aktuellen Studie der Deutschen Welle und des European Data Journalism Network halten sich zwei von drei Lebensmittelkonzerne in Europa nicht an ihre selbst gesetzten Kunststoff-Verpflichtungen. Untersucht wurden 98 „Kunststoff-Versprechen“ der letzten 20 Jahren von 24 Lebensmittel- und Getränkeunternehmen mit Hauptsitz in Europa. Das Ergebnis der Untersuchung ist ernüchternd – und wird nicht nur den jeweiligen Unternehmen auf die Füße fallen, sondern die gesamte Branche in Misskredit bringen. Wir brauchen mehr Anstrengungen und Taten, mehr Monitoring durch unabhängige Dritte und mehr Transparenz durch ehrliche, proaktive Kommunikation.

 

 

Verkünde Gutes, tue zu wenig und breite den Mantel des Schweigens über dein Scheitern: Die Studie der Deutschen Welle und des European Data Journalism Network zeigt, dass einer Mehrheit der vollmundigen – und sicher gut gemeinten – Ankündigungen europäischer Lebensmittelkonzerne zur Reduktion des Kunststoffeinsatzes viel zu selten auch die entsprechenden Taten folgen.

 

Die Untersuchung im Detail

  • Untersucht wurden 98 „Kunststoff-Versprechen“ von 24 Lebensmittelunternehmen mit Hauptsitz in Europa.
  • Die Eigenverpflichtungen wurden in den letzten 20 Jahren verkündet, wobei die Mehrzahl aus den letzten Jahren stammt.
  • Zielmarke für das Erreichen der verkündeten Ziele war (und ist) meist das Jahr 2025.
  • Inhalte der „Kunststoff-Versprechen“ beinhalten gemeinhin die Reduktion des Kunststoffeinsatzes, die Substitution durch andere Materialien, den Einsatz von Rezyklat oder sogenannten Bio-Kunststoff, Mehrweg und Wiederverwendbarkeit sowie recyclinggerechtes Design.
  • Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass von 37 Zusagen mit bereits abgelaufener Deadline 68 Prozent entweder gescheitert sind oder ohne Kommunikation in der Versenkung verschwunden sind.
  • Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Wenn Unternehmen ihre Zusagen nicht erfüllen, geben sie das in der Regel nicht offen bekannt. Sie lassen ihre Ziele stattdessen lautlos fallen oder verschieben sie intern in die fernere Zukunft.

 

Fazit

Das Ergebnis der Untersuchung ist ohne Zweifel ernüchtern. Natürlich gibt es oft harte Gründe für das Scheitern, wie beispielsweise die mangelnde Verfügbarkeit oder die explodierenden Preise bei benötigen Rezyklaten.

Aber wie auch immer: Unternehmen und ihre Marken werden an den Verpflichtungen gemessen, die sie eingegangen sind. Die von den meisten Akteuren genutzte Zielmarke 2025 ist nicht mehr weit entfernt – und wird zu einem bitteren Fazit führen, wenn wir nicht schnell und entschlossen gegensteuern. Die Öffentlichkeit wird sehr genau hinschauen und ohne Nachsicht urteilen.

 

Wir brauchen deshalb einen klaren Rahmen, der Fortschritte und fehlende Fortschritte der Kunststoff-Verpflichtungen transparent und öffentlich macht. NGOs kann dabei eine gewichtige Rolle zukommen. Das betrifft insbesondere die Ziele, die erst in den letzten Jahren verkündet wurden. Eine reine Selbstverpflichtung der Unternehmen reicht (offensichtlich) nicht aus.

 

3 Maßnahmen

Unserer Ansicht nach sind es drei Maßnahmen, die zur Einhaltung der Kunststoff-Verpflichtungen beitragen und Misskredit für die gesamte Branche abwenden können.

  1. Die Unternehmen müssen ihre Anstrengungen erhöhen. Das, was aktuell getan wird, reicht in den meisten Fällen nicht aus.
  2. Die Selbstverpflichtungen sollten einem Monitoring durch Dritte unterliegen. Das können NGOs sein, aber auch Beteiligungen an Initiativen wie „New Plastics Economy“, die gesetzte Ziele kontinuierlich prüfen und verfolgen.
  3. Fortschritte, aber auch Schwierigkeiten und Scheitern bei der Umsetzung der Kunststoff-Ziele müssen transparent, ehrlich und proaktiv kommuniziert werden.


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    Thomas Reiner

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