Handlungsbedarf! Die PPWR rückt Industrieverpackungen in den Fokus

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Die neue Europäische Verpackungsverordnung PPWR wird künftig nicht nur B2C, sondern gleichermaßen auch B2B-Verpackungen regulieren und in die Pflicht nehmen. Das ist eine bedeutsame Entwicklung, denn gewerblich anfallende Verpackungen machen mit 53 Prozent den größten Teil am Gesamtaufkommen von Verpackungsabfällen aus. Wir beleuchten in unserem Artikel die Herausforderungen für Industrieunternehmen, blicken auf besonders betroffene Branchen in Deutschland, identifizieren Schwerpunkte und Besonderheiten mit Blick auf die Verpackung und nennen erste Schritte für alle Unternehmen.

 

Hintergrund

Ist von Verpackungen die Rede, denken Öffentlichkeit und Medien meist nur an die B2C-Verpackungen von Konsumgütern im Supermarktregal. Dabei sind gewerbliche Verpackungen (B2B) mit Blick auf anfallende Verpackungsabfälle mengenmäßig relevanter.

So entfielen im Jahr 2023 in Deutschland gemäß dem aktuellen Verpackungsmonitor der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) im Auftrag der Allianz für Verpackung und Umwelt (AVU) 9,5 Millionen Tonnen beziehungsweise 53 Prozent der Verpackungsabfälle auf B2B-Verpackungen und 8,4 Millionen Tonnen beziehungsweise 47 Prozent des Gesamtaufkommens auf B2C-Verpackungen.

 

Herausforderungen für Industrieunternehmen

Die neue Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) macht entsprechend keinen Unterschied bei den regulatorischen Pflichten für Industrie-, Gewerbe- und Konsumverpackungen.

  • Deutlich wird dies an erster Stelle dadurch, dass auch Industrie- und Gewerbeverpackungen zukünftig den EPR-Verantwortlichkeiten unterliegen, die in allen EU-Staaten seit Januar 2025 verpflichtend sind. Allein die Auseinandersetzung mit den zahlreichen nationalen EPR-Systemen stellt eine große Herausforderung für alle Industrieunternehmen dar.
  • Darüber hinaus gelten für die Industrie- und Gewerbeverpackungen auch alle weiteren zentralen Regelungen der PPWR, wie beispielsweise
    • die Vermeidung von Überverpackung,
    • die Herstellung der Recyclingfähigkeit,
    • die Rezyklateinsatzquote und
    • die Mehrwegziele

Für Details empfehlen wir Ihnen auch unser PPWR-Spotlight (pdf).

 

Branchen und Schwerpunkte

In der Folge werfen wir einen Blick auf einzelne Branchen in Deutschland, die sich durch eine intensive Nutzung von Industrie- und Gewerbeverpackungen im geschäftlichen Verkehr zwischen Geschäftsunternehmen auszeichnen. Dabei identifizieren wir Schwerpunkte sowie Besonderheiten.

 

Bau- und Baustoffindustrie

  • Nutzt Großmengen an Verpackungen wie Säcke (beispielsweise für Zement und Fliesenkleber) aber auch Paletten, Big Bags oder Folien zur Ladungssicherung.
  • Marktanalysen zeigen, dass Säcke in diesem Markt die dominierenden Verpackungen sind.

Chemie- und Petrochemieindustrie

  • Einsatz von Fässern, Kanistern, IBCs und Big Bags (FIBCs).
  • In dieser Branche besteht ein hoher Bedarf an Verpackungen, die den gesteigerten Anforderungen durch den Transport gefährlicher Substanzen entsprechen.

Maschinen- und Anlagenbau

  • Insbesondere in Deutschland ist dies eine gewichtige Anwenderbranchen, was auch durch die zahlreichen Lieferanten von Komponenten bedingt ist.
  • Verpackungsseitig ist die Branche durch individuelle Lösungen für Anlagen (z.B. aus Holz) sowie durch Verpackungen für den Export oder für Komponenten gekennzeichnet.

Lebensmittel- und Getränkeindustrie

  • Häufig großformatige Verpackungslösungen wie Big Bags, Palettengebinde sowie Edelstahlcontainer.
  • Hygienestandards spielen bei den Rohstoffen und Vorprodukten für Lebensmittel und Getränke eine entscheidende Rolle.

Pharma- und Gesundheitsindustrie

  • Einsatz von Fässern, Kanistern, IBCs und Big Bags (FIBCs).
  • Verpackungen müssen in dieser Branche oft besondere Qualitäten (beispielsweise inert, nicht-reaktiv) aufweisen, so dass die PPWR an verschiedenen Stellen Ausnahmeregeln vorgesehen hat wie beispielsweise
    • keine Pflicht zur Recyclingfähigkeit nach Design-for-Recycling-Standards für Verpackungen mit direktem Produktkontakt bis 31.12.2034,
    • keine Pflicht zur Verwendung von Mindestanteilen an Post-Consumer-Rezyklat (PCR) in Kunststoffverpackungen; aktuell ohne festes Datum, an dem diese Ausnahme von Artikel 7 geprüft werden.
  • Auch die Aspekte der Manipulationssicherheit und der Kennzeichnung spielen eine besondere Rolle.

Automobil- und Zulieferindustrie

  • Verwendung von Mehrweg-Transportboxen, Formeinsätzen und schützenden Verpackungen, insbesondere für empfindliche Karosserieteile.
  • Auch in dieser Branche müssen Verpackungen oft spezielle Funktionen erfüllen, beispielsweise mit Blick auf Korrosionsschutz.

Elektronik- und Hightech-Industrie

  • Boxen, Beutel und Trays zählen zu den häufig verwendeten Verpackungsarten.
  • Besondere Anforderungen entstehen häufig im Bereich der Antistatik, der Polsterung sowie beim Schutz vor Feuchtigkeit.

Fazit

  • Schaut man sich die genutzten Verpackungssysteme an, so fällt auf, dass viele der verwendeten Systeme unter mögliche Mehrwegverpflichtungen der PPWR gemäß Artikel 29 (1-3) fallen. Dazu gehören beispielsweise Eimer, Kanister, Fässer, IBCs und BigBags sowie Paletten.
  • In dieser Dominanz zeigt sich ein wesentlicher Unterschied zu den Konsumverpackungen, der entsprechend ganz neue Herausforderungen mit sich bringt.
  • Gleichzeitig sollten Unternehmen aber auch die Ausnahmen kennen, die die PPWR für die Mehrwegverpflichtungen aufzeigt. Das gilt beispielsweise für kundenspezifisch entwickelte Verpackungen für große Maschinen oder Ausrüstung sowie für die Beförderung von Gefahrgut.

Ist das Thema Regulierung im B2B-Bereich schon angekommen?

Zumindest für den Maschinen- und Anlagenbau und die Chemieindustrie aber auch für die Automobilindustrie können wir dies bejahen.

  • Das wissen wir nicht zuletzt durch unsere eigene Beratungstätigkeit im Maschinen- und Anlagenbau sowie der Chemieindustrie.
  • Ein guter Indikator ist auch, dass es die PPWR auf der Automotive Logistics & Supply Chain 2025 (ALSC Europe 2025) bis in den Keynote-Vortrag geschafft hat.
  • Der Chairman des Europäischen Netzwerks für die Standardisierung und Optimierung von Geschäftsprozessen in der Automobilindustrie Odette International prognostiziert, dass sich das industrielle Verpackungssystem tiefgreifend verändern wird, wenn er sagt: „Es gibt keinen Grund, nicht bereits [mit den Vorbereitungen auf die PPWR] anzufangen, denn Sie werden mit Sicherheit in die Pflicht genommen werden. Je früher Sie also starten, desto besser.“ Zur Unterstützung arbeiten die Organisation der französischen Automobilindustrie (Galia) mit Odette und deren Partnerorganisationen an Handlungsempfehlungen und Leitfäden. Ein europäischer Leitfaden sollte im Sommer 2025 veröffentlicht werden.

Zunehmend häufiger beraten wir auch die Inverkehrbringer von Industrie- und Gewerbeverpackungen im Rahmen unserer Regulierungs-Beratung beim Thema PPWR.

 

Erste Schritte für Unternehmen

Als ersten Schritt empfehlen wir das PPWR-Impact-Assessment, mit dem Sie einen Überblick zu den Chancen und Risiken der PPWR für das Verpackungs-Portfolio Ihres Unternehmens erhalten. Erste Informationen dazu bietet das PPWR-Impact-Assessment der BP Consultants. Darüber hinaus stehen wir Ihnen gerne jederzeit in einem persönlichen Gespräch zur Verfügung.


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