Das Recycling-Thema rückt zunehmend in den Fokus von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Wir wollen den Blick auf das Positive richten und zeigen, dass sich in mehreren Bereichen der Wirtschaft trotz aller Probleme langsam spürbar etwas bewegt. Wir werfen für Sie einen Blick auf fortschrittliche Recyclingtechnologien für flexible Verpackungen und sondieren Potenzial sowie Grenzen. Außerdem bringen wir Beispiele für konkrete Entwicklungen beim vollständigen Recycling von HDPE-Verpackungen, einem Molkereibecher mit 30% Polystyrol-Rezyklat und einer starken Allianz zweier großer Akteure.
Strukturell bleibt die Lage beim Kunststoffrecycling besorgniserregend. So hat der Branchenverband Plastics Recyclers Europe (PRE) kürzlich bekannt gegeben, dass in Europa seit 2023 eine Recyclingkapazität von fast einer Million Tonnen verloren gegangen ist. „Besonders betroffen sind die Niederlande, Deutschland und das Vereinigte Königreich. Allein in den ersten sieben Monaten des Jahres 2025 ging so viel Kapazität verloren wie im gesamten Jahr 2024 – und dreimal mehr als 2023. Für das laufende Jahr wird erstmals seit Jahren kein Wachstum mehr erwartet“, so PRE.
Fortschrittliche Recyclingtechnologien für flexible Verpackungen
Es gibt viel Potenzial aber auch noch viele Grenzen. So lässt sich das Thema in einem kurzen Satz zusammenfassen. Aber im Einzelnen.
Die Initiative CEFLEX (Circular Economy for Flexible Packaging) hat gemeinsam mit der Universität Gent verschiedene fortschrittliche Recyclingtechnologien bewertet. Im Fokus standen fünf Ansätze:
- Delamination,
- Deinking,
- Dissolution,
- Kontaminantenentfernung und
- Advanced Wet Friction Washing.
Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen, dass viele Verfahren technisch erprobt und teils bereits im Einsatz sind. Dazu gehören
- die Delamination, bei der mehrlagige Verpackungen wie beispielsweise PE‑Alu in einer 32.000-Tonnen-Anlage in Deutschland getrennt werden oder
- das „Cadel Deinking®“-Verfahren, das bis zu 95 Prozent der Druckfarben entfernt.
- Das „Advanced Wet Friction Washing“ entfernt Oberflächenkontaminanten und liefert eine Rezyklat-Ausbeute von über 70 Prozent.
- Dissolution und Kontaminantenextraktion, wie etwa mit überkritischem CO₂, ermöglichen nahezu reinstes Material – eine wichtige Voraussetzung für Anwendungen höchster Qualität.
Herausforderung
Die meisten Technologien existieren bislang nur im Pilot- oder Nischenmaßstab. Großflächige Anlagen fehlen, Materialkomplexität erschwert die Verarbeitung und Investitionszyklen hinken politischen Vorgaben hinterher.
Damit droht das Ziel der EU-Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR), die hohe Recycling- und Rezyklateinsatzquoten bis 2030 vorschreibt, zu scheitern.
Das Fazit von CEFLEX
Neue Verfahren sind wertvolle Beschleuniger, ersetzen aber nicht die Grundlagen wie optimiertes Verpackungsdesign. Erst im Zusammenspiel von Technologie, Markt, Gesetzgebung und Designoptimierung lassen sich hochwertige Rezyklate in größerem Maßstab gewinnen und der Kreislauf schließen.
Das Fazit von BP Consultants
Aus unserer Sicht ist die Studie ein weiterer Beleg dafür, dass es beim chemischen Recycling nach wie vor noch an vielen Stellen fehlt. Zumindest aber wird diese Situation durch immer fundiertere Analysen offensichtlicher und sichtbarer. Das belegt auch das folgende Schaubild von Ceflex.

Schwarz Gruppe etabliert vollständiges Recycling von HDPE-Verpackungen
Dem Nachhaltigkeitsbericht 2024 der Schwarz Gruppe können wir entnehmen, dass sie den geschlossenen Wertstoffkreislauf für High-Density-Polyethylen (HDPE) über ihre Umweltsparte PreZero konsequent vorantreibt.
So ist es dank modernster Recyclingtechnologie gelungen, einen vollständigen Kreislauf für gebrauchte HDPE-Flaschen zu etablieren. Ausgangspunkt sind private Haushalte, in denen die Flaschen über den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne erfasst werden. In hochspezialisierten PreZero-Anlagen für Leichtverpackungen erfolgt anschließend die sortenreine Trennung des Materials. Um die Transporteffizienz zu steigern, werden die HDPE-Verpackungen zu Ballen gepresst und zur Recyclinganlage nach Grünstadt transportiert.
Dort beginnt der eigentliche Aufbereitungsprozess. Dabei sortieren die Anlagen die Flaschen zunächst nach Farbe, bevor sie zerkleinert, gründlich gewaschen und die entstehenden Kunststoffflakes in einem weiteren Schritt nachgereinigt werden.
Das Ergebnis ist ein hochwertiges HDPE-Rezyklat, das sich in seiner Qualität für die Herstellung neuer Verpackungen eignet. Aus diesem Material entstehen neue HDPE-Flaschen, die in den Filialen von Lidl und Kaufland bereits im Einsatz sind – unter anderem als Behälter für Reinigungsmittel und Shampoos.
Mit diesem geschlossenen Kreislauf zeigt PreZero, wie durch technische Innovation und konsequente Prozessgestaltung aus gebrauchten Verpackungen wertvolle Rohstoffe werden, die wieder in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden.
Für die Verpackungsindustrie eröffnet dies nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Perspektiven, indem hochwertige Rezyklate als nachhaltige Alternative zu Primärkunststoffen bereitgestellt werden.
Das Fazit von BP Consultants
Unserer Ansicht nach benötigen wir noch viel mehr dieser Ansätze durch die EPR-Systeme, die über den direkten Zugang zu den Wertstoffen verfügen. Damit lassen sich offensichtlich auch bei den so dringend benötigten Polyolefin-Rezyklate relevante Fortschritte erreichen.
Starke Allianz: Agilyx steigt beim Grünen Punkt ein
Das in Oslo ansässige Unternehmen Agilyx ASA ist ein Spezialist für chemisches Kunststoffrecycling mit operativen Wurzeln in den USA. Im Juli 2025 wurde bekannt, dass Agilyx 44 Prozent der Anteile an GreenDot, der Unternehmensgruppe hinter dem deutschen System „Der Grüne Punkt“, übernimmt. Der Grüne Punkt ist einer der führenden Akteure im europäischen Verpackungsrecycling. Die Transaktion bewertet den Grüne Punkt mit rund 200 Millionen Euro.
Der Grüne Punkt verarbeitet jährlich über eine Million Tonnen Verpackungsabfälle, davon mehr als 400.000 Tonnen Kunststoffe, und baut aktuell neue Sortierstandorte in Deutschland, Österreich und Italien auf. Für 2025 erwartet das Unternehmen einen Umsatz von rund 400 Mio. EUR bei zweistelligem EBITDA.
Mit dem Einstieg will Agilyx seine Präsenz in Europa stärken und gemeinsam mit dem Grünen Punkt eine globale Plattform für die Rohstoffversorgung der Advanced-Recycling-Industrie aufbauen. Der Grüne Punkt profitiert von zusätzlichem Kapital und dem Technologie-Know-how von Agilyx, um seine Recyclingkapazitäten deutlich zu erweitern.
Die Partnerschaft vereint marktführende Sammel- und Sortierinfrastruktur mit innovativer Recyclingtechnologie. Sie ist ein wichtiger Schritt hin zu höheren Recyclingquoten und hochwertigeren Rezyklaten – und damit zu einer zukunftsfähigen Kreislaufwirtschaft.
Das Fazit von BP Consultants
Häufig stellen wir in Diskussionen ein mangelndes Commitment der Kunststoff-Industrie fest, sich den Zugriff auf die Wertstoffe zu sichern. Agilyx als Anbieter von Recyclingtechnologien zeigt nun auf, dass es durchaus auch andere Stakeholder sein können, die diesen Schritt wagen.
Deutscher Verpackungspreis geht an Molkereibecher mit 30% Polystyrol-Rezyklat
Der Deutsche Verpackungspreis 2025 hat Ende Juli seine Sieger gekürt. Über 200 Einreichungen aus 15 Ländern traten in materialübergreifenden Kategorien gegeneinander an. Insgesamt gingen 37 Verpackungsentwicklungen als Gewinner hervor. Darunter auch mehrere Kunststofflösungen, die vor allem in den Kategorien Nachhaltigkeit und Recyclingfähigkeit überzeugten.
Ein Beispiel ist der Molkereibecher mit 30 Prozent Polystyrol-Rezyklat der Müller Service GmbH. Der starre Kunststoffbecher für Molkereiprodukte wurde gemeinsam mit Ineos Styrolution und Aldi Süd entwickelt, ist bereits im Markt und enthält 30 Prozent mechanisch recyceltes PS-Material.
Die Jury würdigt die Verpackung als innovative Rezyklatanwendung im Lebensmittelbereich: Sie trägt zur hochwertigen Wiederverwertung von Polystyrol bei und verhindert, dass das Material im Downcycling endet. Durch die Reduzierung von Frischmaterialeinsatz und CO₂-Emissionen leistet die Lösung einen wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft.
Die Auszeichnung zeigt, dass mechanisch recyceltes Polystyrol nicht nur technisch machbar, sondern auch marktreif ist – ein starkes Signal für mehr Kreislauffähigkeit im Lebensmittelverpackungssektor.
INEOS Styrolution hat bereits einen formellen Antrag bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für seine neuartige Recyclingtechnologie eingereicht.
Das Fazit von BP Consultants
In unseren Augen ist das ein gelungenes Beispiel, das eindrucksvoll zeigt, was im Bereich Circular Economy erreichbar ist. Zudem kann Polystyrol im Molkereiprodukte-Bereich PP in vielen Anwendungen relativ unproblematisch ersetzen, da Polypropylen den Nachweis der Kreislauffähigkeit noch nicht überzeugend erbracht hat.