Klimarisiken haben eine große wirtschaftliche Relevanz. Das Thema sollte deshalb selbst ohne gesetzlichen Druck und im ureigenen Unternehmensinteresse Teil der Unternehmensagenda sein. In unserem Artikel schauen wir auf die physischen Risiken für das eigene Geschäft und die Lieferkette, auf externen Druck durch Banken und Investoren, auf Transitionsrisiken mit enormer Sprengkraft und Wettbewerbsvorteile durch proaktive Klimarisikoanalyse. Die gute Nachricht vorab: Ein pragmatischer Einstieg in das Handeln ist möglich.
Hintergrund
Klimarisiken sind für Unternehmen längst real.
- Extreme Wetterereignisse sind laut Weltwirtschaftsforum das größte globale Risiko der kommenden zehn Jahre (Mehr dazu).
- Deutschland hat sich bereits um rund 2,5 °C erwärmt und Extremwetterereignisse nehmen zu.
- Seit 2000 summieren sich die Schäden durch Extremwetter in Deutschland auf über 70 Milliarden Euro. Alleine 2024 entstanden versicherte Schäden von 5,5 Milliarden Euro.
Handeln im ureigenen Interesse
Auch ohne gesetzlichen Druck durch die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), die gerade intensiv diskutiert und für kleine und mittelständische Unternehmen abgeschwächt wird, sollten Klimarisiken aufgrund ihrer großen wirtschaftlichen Gefahr im ureigenen Interesse aller Unternehmen stehen und unbedingt strategisch berücksichtigt werden.
Externer Druck durch Banken und Investoren
Banken und Investoren verlangen zunehmend Transparenz bei den Klimarisiken des unternehmerischen Handelns.
- Ab 2026 berücksichtigt beispielsweise die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer Geldpolitik und Kreditvergabe einen Klimafaktor, der auch physische Risiken und Transitionsrisiken einbezieht (Mehr dazu).
- Kredite an betroffene Unternehmen können dadurch an Wert verlieren oder ausfallen. Kreditgeber werden daher verstärkt Klimarisikoanalysen von ihren Firmenkunden – sprich den Unternehmen – fordern.
- Auch Investoren und Aufsichtsbehörden werden den Druck erhöhen.
Wer proaktiv agiert, sichert seinen Zugang zu Kapital und stärkt das Vertrauen seiner Finanzpartner.
Physische Risiken häufen sich
Physische Klimarisiken entstehen durch immer häufiger auftretendes Extremwetter. Überschwemmungen, Stürme, Hitze und Dürren können Standorte beschädigen, Lieferketten unterbrechen und Produktion stilllegen.
- So führten beispielsweise niedrige Flusspegel im Dürresommer 2018 in Deutschland zu unpassierbaren Verkehrswegen und teilweisem Produktionsstopps in der Industrie (Mehr dazu).
- In (Süd)Europa wüteten im Sommer 2025 verheerende Waldbrände. Dieses Risiko wird künftig durch extreme Hitzewellen und Dürren deutlich steigen.
- Auch die verheerende Flut in Valencia im Oktober 2024 ist ein eindrückliches Beispiel für die enorme Zerstörungskraft klimatischer Veränderungen.
Praxisbeispiel: So konnten wir helfen
Ein mittelständischer Papierhersteller betreibt ein Werk am Waldrand und ist zwingend auf Prozesswasser aus einem Fluss angewiesen. Trockene Sommer erhöhen das Waldbrandrisiko – ein Feuer könnte Werk und Umgebung bedrohen. Gleichzeitig sinkt bei Dürre der Flusspegel, sodass nicht genug Kühl- und Prozesswasser verfügbar ist. Die Folge wären ein (langer) Produktionsstopp oder teure Notlösungen. Das kann geschäftsgefährdend werden.
Die von uns durchgeführte Klimarisikoanalyse hat dabei geholfen, diese Gefahren frühzeitig zu erkennen und über Maßnahmen wie brandschutzgerechte Waldpflege oder eigene Wasserspeicher nachzudenken.
Transitionsrisiken mit enormer Sprengkraft
Transitionsrisiken entstehen durch den Wandel zu einer CO₂-armen Wirtschaft.
- So verteuern beispielsweise steigende CO₂-Preise und der ab 2026 geltende Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) CO₂-intensive Produktionen und Importe.
- Hinzu kommen strengere Produktvorgaben, die Geschäftsmodelle belasten können. Dazu gehören beispielsweise die EcoDesign Verordnung, der Digital Product Passport oder die EU-Chemikalienverordnung REACH.
- Auch technologische Umbrüche wie die Elektromobilität zeigen, wie ganze Branchen durch den besagten Wandel unter Druck geraten. Anlagen und Produkte mit hohem CO₂-Fußabdruck können an Wert verlieren oder vom Markt verdrängt werden. Die finanziellen und strategischen Folgen für das Unternehmen und sein Geschäft können erheblich sein.
Praxisbeispiel: So konnten wir helfen
Ein europäischer Druckfarbenhersteller produziert CO₂-intensiv außerhalb der EU. Ab 2026 verteuert der CBAM solche Importe, da für eingebettete Emissionen Zertifikate fällig werden. Als Folge schwindet der Kostenvorteil der Auslandsproduktion.
Aber auch innerhalb der EU steigen die finanziellen Ausgaben für CO2, da der Emissionshandel über das ETS-System ausgeweitet wird. Stranded Assets drohen.
Unsere Klimarisikoanalyse hat diese Risiken sichtbar gemacht und eine solide Grundlage geboten, um über Gegenstrategien wie Dekarbonisierung, Anpassung des Produktportfolios oder Standortverlagerungen zu diskutieren.
Lieferkette unbedingt mitdenken
Klimarisiken betreffen nicht nur den eigenen Standort, sondern auch die Lieferkette.
- Extreme Wetterereignisse wie Dürren oder Überschwemmungen können Zulieferer lahmlegen oder die Logistik unterbrechen – etwa durch unpassierbare Straßen, Schienen oder Flüsse.
- Besonders riskant sind zeitkritische Abhängigkeiten von einzelnen Lieferanten in Just-in-Time-Modelle ohne Puffer.
Unternehmen sollten ihre Lieferkette robust und diversifiziert aufstellen und die Klimavorsorge prüfen.
Wettbewerbsvorteile durch proaktive Klimarisikoanalyse
Eine vorausschauende Auseinandersetzung mit Klimarisiken zahlt sich strategisch aus. Unternehmen, die frühzeitig gegensteuern, sind krisenfester und können die Gefahr von Betriebsunterbrechungen oder Kostensteigerungen durch Klimaereignisse minimieren. Klimarisikoanalysen sollten schon heute ein essenzielles Steuerungselement der Unternehmensführung sein. Nur wer heute seine Klimarisiken kennt, kann morgen die Chancen nutzen.
Ein Pragmatischer Einstieg ist möglich
Unternehmen können ohne riesigen Aufwand mit einer Klimarisikoanalyse beginnen.
Im Fokus steht dabei
- die potenziell gefährlichsten Risiken fürs eigene Unternehmen zu identifizieren und
- deren Eintrittswahrscheinlichkeit und Schwere sowie die möglichen finanziellen Konsequenzen zu bewerten.
Ein bestehendes Risikomanagement kann dabei eine gute Orientierung bieten.
Gerne klären wir in einem persönlichen Gespräch, wie konkrete Schritte und ein pragmatischer Ansatz für Ihr Unternehmen aussehen kann. Sprechen Sie uns an!