Recycling-Zertifikate und Siegel: Was es gibt und was für Sie passt

pixabay I Hans

Aktuell häufen sich die Verdachtsfälle auf „Rezyklat-Betrug“. In Zeiten günstigen Virgin-Plastiks wird vermehrt Neukunststoff als Rezyklat gelabelt und importiert. Das ist nicht nur ein gefundenes Fressen für Medien und eine Gefahr für die eigene Reputation und Rechtssicherheit. Es ist auch nicht im Sinne von Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Einen Ausweg bieten Zertifikate, die den Einsatz echten Rezyklats testieren. Aber die Vielfalt ist groß und die Unterschiede relevant. Wir schlagen für Sie einen Weg durch den Dschungel.

 

Beute und Opfer? Wer Rezyklat für seine Verpackungen einkauft, sieht sich zunehmend der Gefahr gegenüber, getäuscht zu werden. Es häufen sich die Berichte, dass Virgin-Kunststoff als Rezyklat gelabelt und nach Europa importiert wird. Damit steigt die Gefahr, ohne böse Absicht zum bösen Buben zu werden, Skandal, Reputationsverlust und Rechtsunsicherheit inklusive.

Als Ausweg bietet sich die transparente Nachverfolgbarkeit von Rezyklaten an. Entsprechende Siegel und Zertifikate helfen einerseits, Image- und Umweltschäden abzuwehren. Gleichzeitig können sie dabei helfen, Sicherheit über die Qualität des Rezyklats zu gewinnen.

 

Welcher Standard für Ihr Unternehmen und Produkt geeignet ist, hängt stark davon ab

  • ob Sie B2B oder B2C unterwegs sind,
  • wie hoch der Rezyklatanteil Ihres Produkts ist,
  • wo Ihre Zielgruppe verortet ist und
  • ob Sie neben der Nachverfolgbarkeit auch soziale und ökologische Risiken abdecken wollen.

 

Die Situation bei Zertifizierungen und Siegel

Zertifizierungssysteme zum Nachweis der Verwendung „echten“ Rezyklats schießen aktuell wie Pilze aus dem Boden. Grundlage für die meisten Zertifikate ist entweder „EN 15343:2007 European standard on recycled plastics traceability“ oder „ISO 15270:2008“ Plastics-Guidelines for the Recovery and Recycling of Plastic Waste.

Da ein chemischer Nachweis in den meisten Fällen nicht machbar oder ökonomisch unsinnig ist, nutzen alle Systeme den Weg der Dokumentenverfolgung. Nachvollzogen werden der Input, die Produktionsverluste und der Output.

 

 

Zertifikate in der Übersicht

Wir geben Ihnen im Folgenden eine Übersicht zu den meist verwendeten Zertifikaten. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – und sie ist zwangsläufig vorläufig. Denn es werden in den nächsten Monaten und Jahren weitere Zertifikate und Standards kommen. Aber: Für hier und jetzt bekommen Sie eine solide Arbeitsgrundlage.

 

  • Blauer Engel: Der Blaue Engel ist das älteste und in Deutschland auch bekannteste Siegel. Es wird fast nie für die neuen, sondern hauptsächlich für die traditionellen Anwendungen von Rezyklat benutzt. Grund dafür: Der Blaue Engel schreibt einen hohen Mindestanteil an recyceltem Material vor.
  • GRS & RCS: Der Global Recycled Standard (GRS) und der Recycled Claim Standard (RCS) sind für die Textilindustrie global das Mittel der Wahl zum Nachweis von Recycling-Content. Aus diesem Grund gehören GRS und RCS zu den meistgenutzten Standards.
  • ISCC Plus: Für die Kunststoffindustrie hat sich ISCC Plus in den letzten drei Jahren als führender Standard etabliert. ISCC Plus baut auf dem Standardsystem ISCC EU auf, das ursprünglich für den Biokraftstoffsektor entwickelt wurde. Über die Erweiterung ISCC Plus lässt es sich auch für andere, nicht regulierte Sektoren wie beispielsweise Food & Feed und Bioökonomie Besonderheit bei ISCC Plus: Neben der Dokumentenverfolgung bietet der Standard auch die Analyse als Weg zum Siegel an. ISCC Plus ist ein breit einsetzbares Zertifizierungstool, welches auch für neue biobasierten Materialien gut nutzbar ist.
  • RSB: Der „Roundtable of Biomaterials“ ist ein weiterer Standard, der sich aus dem Biokraftstoffsektor entwickelt hat und nun auch Bioökonomie-Anwendungen zertifiziert. Charakteristisch ist der hohe Anspruch im Hinblick auf ökologische und soziale Anforderungen. Besonderheit: Wie auch ISCC Plus kann die Zertifizierung nicht nur über die Dokumentenverfolgung, sondern auch über den Weg der Analyse
  • RecyClass & EuCertPlast: RecyClass und EuCertPlast sind recht neue Standards. Beide werden von PlasticRecyclers Europe verantwortet. Beide fokussieren sich ausschließlich auf die Nachweisbarkeit der Plastik-Recycling-Lieferkette oder Teile dieser Kette. Trotz seines jungen Alters, ist EuCertPlast dabei, sich bei europäischen Recyclern als Standard zu etablieren.
  • OBP: OBP steht für Ocean Bound Plastic. Das „Nischen-Zertifikat“ wurde von der NGO „Zero Plastic Oceans“ in Kollaboration mit der Zertifizierungsgruppe „Control Union“ entwickelt. Es wird nur Rezklat zertifiziert welches aus Kunststoffen aus dem Meer oder zuführenden Flüssen besteht.
  • Plastic Free: Das Zertifikat wird von einem gleichnamigen Start-up vergeben. Dass es in unserer Liste der Kunststoff-Zertifikate auftaucht, hat damit zu tun, dass es biologisch abbaubaren Kunststoff nicht als Kunststoff betrachtet und die Verwendung entsprechend „Plastic Free“ labelt.

 

Fazit

Die Notwendigkeit steigt, nur Rezyklat zu verwenden, das transparent und zertifiziert einer „sauberen“ Quelle zugeordnet werden kann. Das Risiko für die eigene Reputation ist schlicht zu hoch. Mehrwert der Zertifizierung ist ein verlässlicher Beleg für die Qualität des eingesetzten Materials.

Welcher Standard für Ihr Unternehmen am besten passt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Die wichtigsten haben wir weiter oben in Kürze dargelegt. Für Details freuen wir uns auf ein persönliches Gespräch.

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    Jenny Walther-Thoß

    walther-thoss@bp-consultants.de