Verpackungsmenge in der EU: Fakten-Check (und Differenzierung)

Image source: unsplash – Peter Bond

Im Juli 2026 veröffentlichte das Joint Research Centre (JRC) der EU eine Studie zur Menge der in den Jahren 2011 bis 2025 in Verkehr gebrachten Verpackungsmengen. Die Studie sorgte schon mit ihrer Überschrift für relativ große Beachtung. Dort wurden zwei zentrale Aussagen gemacht. Erstens: Die Mengen bleiben beträchtlich. Und zweitens: Kunststoff wuchs als einziges Verpackungsmaterial – und das um 11 Prozent. Wir haben den Fakten-Check gemacht und kommen zu einer etwas differenzierten Betrachtung und Gesamtbewertung der Zahlen, die wir Ihnen hier vorstellen.

 

Das JRC veröffentlichte die Studie unter dem Titel „Packaging materials in the EU: quantities stay significant, plastic grew by 11%“ am 06. Juli 2026.

 

Grundsätzliches zur Studie

  • Der Bericht betrachtet nicht den gesamten europäischen Verpackungsmarkt.
  • Er modelliert Verpackungen für Lebensmittel/Getränke, Tierfutter, Haushalts-, Beauty- und Körperpflegeprodukte in 19 EU-Staaten, die allerdings 97 Prozent der EU-Bevölkerung abdecken.
  • Nach eigener Aussage werden ungefähr 75 Prozent des europäischen Consumer-Packaging-Marktes abgedeckt (so fehlt z.B. Fresh Food).
  • Tertiäre Verpackungen sind nicht enthalten (weder Sekundärverpackungen wie Faltschachteln, noch Transportverpackungen wie Wellpappkisten).

Die Kurzversion des Fakten-Checks

JRC-Statement 1: Verpackungsmaterialien in der EU: Mengen bleiben signifikant

Unser Kommentar:
Während das Reale EU-BIP im Zeitraum 2011 – 2025 um rund 21 Prozent gestiegen ist, verliert laut JRC die Verpackungsmenge im gleichen Zeitraum rund 4 Prozent an Gewicht. Der Corona-Schock spielt hierbei eine große Rolle. Insgesamt spricht alles für eine im Zeitverlauf zunehmende Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Verpackungsmasse. Ob die verbleibenden Mengen – wie vom JRC formuliert – signifikant bleiben, wollen wir damit nicht bewerten. Verantwortlich für den Rückgang der Gesamtverpackungstonnage seit 2011 sind in erster Linie Glas und Metall

 

JRC-Statement 2: Kunststoff wuchs um 11%. Zwischen 2011 und 2025 war Kunststoff die einzige Verpackungskategorie, die auf dem Vormarsch war.

Unser Kommentar:
Zunächst sollte man berücksichtigen, dass der Glasanteil im Jahr 2025 immer noch bei rund 75 % der Verpackungsmasse in Tonnen lag und damit ein entscheidender Faktor für die Bedeutung der Entwicklung der Gesamtmenge nach Gewicht ist.

Nicht überraschend ist der Einfluss von Corona (2020 als DAS Krisenjahr), der zu Gewinnern und Verlierern bei der Mengenentwicklung geführt hat. Auffällig ist, dass Glas und Metall die klaren Corona-Verlierer sind, denen es danach auch nicht mehr gelang, die vor-Corona Mengen zu erreichen.

Langfristige Gewinner sind neben den Kunststoffen auch der Getränkekarton und die Verbundmaterialien (die letztgenannten allerdings von einer sehr kleinen Basis aus). Es gibt also neben den Kunststoffen auch andere Gewinner. Unter Berücksichtigung von Marktanteil und Kontinuität der Entwicklung steht Kunststoff jedoch beim Zuwachs an erster Stelle der betrachteten Materialien.

 

Der Blick in die Details

JRC-Statement 1: Verpackungsmaterialien in der EU: Mengen bleiben signifikant

Weil wir es genauer wissen wollten, haben wir uns zunächst die Entwicklung der Verpackungsmengen angeschaut und die Mengenentwicklung dann in Relation zur Entwicklung des realen BIPs im gleichen Zeitraum gesetzt.

 

Was sich gut erkennen lässt: Die Gesamtverpackungen reagieren kurzfristig auf starke Nachfrageeinbrüche, wie den deutlich sichtbaren Corona-Schock im Jahre 2020. Langfristig steigt die Wirtschaftsleistung aber schneller als die Verpackungsmenge. Höhere Wertschöpfung führt somit nicht proportional zu mehr Verpackungstonnage. Dienstleistungen, Lightweighting, Packungsoptimierung und Materialwechsel begrenzen offensichtlich die Masse.

 

JRC-Statement 2: Kunststoff wuchs um 11%. Zwischen 2011 und 2025 war Kunststoff die einzige Verpackungskategorie, die auf dem Vormarsch war.

Zunächst haben wir uns die aktuelle Verteilung der Verpackungsmengen nach Gewicht angeschaut

Der sehr hohe Glasanteil von rund 75 Prozent ist ein wichtiger Faktor, den es zu interpretieren gilt: Hier wird, wie im gesamten Bericht, die Verpackungsmenge in Tonnen dargestellt, nicht die Zahl der Verpackungen. Aufgrund des hohen Eigengewichts von Glas dominiert es automatisch die tonnagebasierte Betrachtung.

Wir sind nun tiefer in die einzelnen Verpackungskategorien eingestiegen und haben uns deren Mengenentwicklung im Laufe der 15 Jahre angeschaut.

 

Wie schon erwähnt, ist der Einfluss von Corona (2020 als DAS Krisenjahr), der zu Gewinnern und Verlierern bei der Mengenentwicklung geführt hat, nicht überraschend. Es fällt auf, dass Glas und Metall die klaren Corona-Verlierer sind, denen es danach auch nicht mehr gelang, die vor-Corona Mengen zu erreichen.

Wie ebenfalls schon erwähnt, zählen neben den Kunststoffen auch der Getränkekarton und die Verbundmaterialien zu den „Gewinnern“ (die letztgenannten allerdings von einer sehr kleinen Basis aus). Unter Berücksichtigung von Marktanteil und Kontinuität der Entwicklung steht Kunststoff jedoch beim Zuwachs an erster Stelle der betrachteten Materialien.

  • Kunststoff – struktureller Gewinner: +10,9 Prozent seit 2011 und selbst 2020 kein Einbruch. Allerdings deutlich verlangsamtes Wachstum seit 2020
  • Mixed Materials (Verbundmaterialien ..) – stärkstes relatives Wachstum, kleine Basis: +27 Prozent seit 2011. Der hohe Prozentwert darf wegen der geringen absoluten Tonnage nicht mit Marktgröße verwechselt werden.
  • Papier/Karton – (Getränkekartons sind hier im Wesentlichen enthalten) weitgehend stabil: +1,3 Prozent seit 2011; 2020 mit einem deutlichen Corona-Schub
  • Glas – langfristiger Verlierer: -6,1 Prozent seit 2011; besonders 2020 rückläufig. Wegen hoher Dichte prägt Glas die Gesamttonnage stark.
  • Metall – Corona-Verlierer mit teilweiser Erholung: 2020 -19,5 Prozent, bis 2025 +18,1 Prozent vom Tiefpunkt; dennoch 2025 noch rund 5 Prozent unter 2019 und 8 Prozent unter 2011.

 

 

 

 

 

 

 


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