Für die Verpackungsindustrie ist die Plastics Recycling Show Europe (PRS) ein zentraler Treffpunkt. Hier lassen sich technologische Entwicklungen, regulatorische Anforderungen und zukünftige Markttrends im Bereich nachhaltiger Kunststoffverpackungen erkennen und bewerten. Wir berichten über zentrale Themen, Erkenntnisse aus prämierte Anwendungen.
Das kurze Fazit vorab: Nachhaltigkeit und Kreislauffähigkeit entwickeln sich zunehmend zu verbindlichen Marktanforderungen. Recyclingfähigkeit, Rezyklateinsatz und die Integration in funktionierende Kreislaufsysteme werden zur Voraussetzung für erfolgreiche Verpackungskonzepte.
Zahlen und Bedeutung der PRS Europe
Die Plastics Recycling Show Europe (PRS Europe) fand am 5. und 6. Mai 2026 im RAI Amsterdam statt und feierte zugleich ihr zehnjähriges Bestehen. Mit über 500 Ausstellern, mehr als 70 Fachreferenten und rund 13.000 Besuchern aus über 80 Ländern hat sich die Veranstaltung erneut als eine der bedeutendsten europäischen Leitmessen für Kunststoffrecycling und Kreislaufwirtschaft gezeigt. Vertreten war die gesamte Wertschöpfungskette – von der Sammlung und Sortierung über mechanisches und chemisches Recycling bis hin zur Wiedereinführung von Rezyklaten in neue Verpackungsanwendungen.
Zentrale Themen
Aus Sicht der Verpackungsindustrie bestätigt die PRS Europe 2026 den grundlegenden Wandel des Marktes: Nachhaltigkeit und Kreislauffähigkeit entwickeln sich zunehmend von freiwilligen Differenzierungsmerkmalen zu verbindlichen Marktanforderungen. Entsprechend standen Lösungen zur Verbesserung der Kreislauffähigkeit von Kunststoffverpackungen im Mittelpunkt der Messe. Zwei zentrale Erkenntnisse für Verpackungshersteller und Markenartikler:
- Die Verfügbarkeit hochwertiger Rezyklate wird zunehmend zu einem wettbewerbsentscheidenden Faktor.
- Parallel zeigte sich, dass Design-for-Recycling-Konzepte inzwischen nicht mehr nur als Nachhaltigkeitsmaßnahme, sondern als regulatorische Notwendigkeit verstanden werden.
PCR: Einsatz, Verfügbarkeit, Konkurrenz
Im Gegensatz zu dem, was sich auf der interpack beobachten ließ (siehe unser Artikel), lag ein wesentlicher Schwerpunkt der PRS Europe 2026 auf den Auswirkungen der europäischen Gesetzgebung. Zahlreiche Vorträge und Podiumsdiskussionen befassten sich mit der Umsetzung der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR), den steigenden Anforderungen an den Rezyklateinsatz sowie der Harmonisierung europäischer Recyclingstandards.
Vertreter führender Unternehmen wie IKEA, Procter & Gamble, INEOS oder Indorama diskutierten gemeinsam mit Verbänden und politischen Entscheidungsträgern über die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Recyclingindustrie.
Besonders hervorgehoben wurde die Herausforderung, ausreichende Mengen qualitativ hochwertiger PCR-Materialien (Post-Consumer Recyclates) für den Verpackungsmarkt bereitzustellen. Mit Blick auf die Hochwertigkeit von Rezyklat zeigt die Messe eindrücklich, dass die Qualitätssicherung von PCR-Materialien künftig ein zentraler Erfolgsfaktor für die Verpackungsindustrie sein wird.
In welchem Ausmaß Kreislaufwirtschaft zunehmend branchenübergreifend gedacht wird, zeigten zahlreiche auf der PRS 2026 ausgezeichnete Projekte. Sie zeigten eindrücklich, dass Recyclingmaterialien inzwischen auch in technisch anspruchsvollen Anwendungen eingesetzt werden können, etwa im Automobil- oder Elektronikbereich sowie bei Konsumgütern.
Für Verpackungshersteller bedeutet dies eine zunehmende Konkurrenz um hochwertige Rezyklate, insbesondere bei PET, Polyolefinen und Polystyrol. Gleichzeitig eröffnet die technologische Weiterentwicklung neue Möglichkeiten für hochwertige, recyclingfähige Verpackungskonzepte.
KI-basierte Systeme
Technologisch dominierte das Thema Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Der erstmals eingerichtete „AI Innovation Hub“ demonstrierte praxisnah, wie KI-basierte Systeme die Effizienz in Sortierung, Materialanalyse und Qualitätskontrolle erheblich steigern können.
Präsentiert wurden unter anderem robotergestützte Sortierlösungen sowie Echtzeit-Analysesysteme für PET-Rezyklate.
Für die Verpackungsindustrie sind diese Entwicklungen besonders relevant, da eine höhere Sortiergenauigkeit unmittelbar die Qualität der Rezyklate verbessert und damit den Einsatz in anspruchsvollen Verpackungsanwendungen, beispielsweise im Food-Bereich, erleichtert.
Ganzheitliche Kreislaufmodelle
Deutlich machte die PRS Europe 2026, wie stark die Branche inzwischen auf ganzheitliche Kreislaufmodelle setzt. Neben klassischen Recyclingtechnologien standen Rückverfolgbarkeitssysteme, digitale Produktpässe und standardisierte Materialkennzeichnungen im Fokus.
Diese Entwicklungen sollen künftig die Transparenz entlang der Lieferkette erhöhen und Greenwashing vermeiden. Gleichzeitig wurde mehrfach betont, dass nur eine enge Zusammenarbeit zwischen Verpackungsherstellern, Recyclern, Handel und Gesetzgebern die ambitionierten europäischen Recyclingziele erreichbar macht.
Grundlegender Wandel des Marktes
Aus Sicht der Verpackungsindustrie bestätigt die PRS Europe 2026 den grundlegenden Wandel des Marktes: Nachhaltigkeit und Kreislauffähigkeit entwickeln sich zunehmend von freiwilligen Differenzierungsmerkmalen zu verbindlichen Marktanforderungen.
Unternehmen, die frühzeitig in recyclinggerechtes Verpackungsdesign, Rezyklatkompetenz und digitale Materialsteuerung investieren, werden langfristig Wettbewerbsvorteile erzielen können.
Die Messe zeigte gleichzeitig aber auch, dass die Branche weiterhin vor erheblichen Herausforderungen steht, insbesondere mit Blick auf Rohstoffverfügbarkeit, regulatorischer Komplexität und der Wirtschaftlichkeit von Recyclingprozessen.
Prämierte Verpackungsanwendungen
Ergänzend zu den allgemeinen Messehighlights standen auf der PRS Europe 2026 die Gewinner der „Plastics Recycling Awards Europe 2026“ im Fokus. Die ausgezeichneten Projekte verdeutlichen aus Sicht der Verpackungsindustrie sehr klar, wohin sich der europäische Markt in den kommenden Jahren entwickeln wird. Die Richtung geht hin zu
- höherem Rezyklateinsatz,
- verbesserten Recyclingtechnologien und
- einer stärkeren regulatorischen Konformität im Rahmen der PPWR-Verordnung.
Plastic Packaging Product of the Year
Von besonderer Relevanz für die Verpackungsbranche war die Auszeichnung in der Kategorie „Plastic Packaging Product of the Year“. Prämiert wurde eine weiße, opake UHT-Milchflasche aus 50 % rPET von Parmalat. Das Projekt gilt als technologisch bemerkenswert, da insbesondere weiße oder opake PET-Verpackungen bislang als schwierig recyclingfähig galten.
Die ausgezeichnete Lösung zeigt, dass auch anspruchsvolle Lebensmittelverpackungen künftig höhere Rezyklatanteile integrieren können, ohne Funktionalität, Produktschutz oder Markenwirkung wesentlich zu beeinträchtigen. Für die Verpackungsindustrie ist dies ein wichtiges Signal im Hinblick auf die steigenden gesetzlichen Vorgaben zum Mindestrezyklatanteil in Kunststoffverpackungen.
Product Technology Innovation of the Year
Ebenfalls mit hoher Relevanz für die Branche ist der in der Kategorie „Product Technology Innovation of the Year“ ausgezeichnet „Milsani Topi rPS Dairy Cup“, der von Aldi Nord, Aldi Süd, Hofer, Fernholz und Zott entwickelt wurde.
Die Innovation demonstriert den erfolgreichen Einsatz von recyceltem Polystyrol (rPS) in Molkereiverpackungen. Die ausgezeichnete Lösung zeigt daher beispielhaft, wie Handelsunternehmen, Verpackungshersteller und Lebensmittelproduzenten gemeinsam kreislauffähige Verpackungslösungen entwickeln können. Gleichzeitig adressiert das Projekt unmittelbar die Anforderungen der zukünftigen europäischen Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR).
Recycling Machinery Innovation
Auch die Auszeichnung der Recyclingtechnologie „VOLEX“ von EREMA im Bereich „Recycling Machinery Innovation“ ist von großer Bedeutung für Verpackungshersteller.
Die Technologie verbessert die Entgasung während des Recyclingprozesses und reduziert flüchtige organische Verbindungen (VOC). Dadurch steigt die Qualität der Rezyklate, was insbesondere für hochwertige Verpackungsanwendungen im Food- und Kosmetikbereich entscheidend ist.
Das Fazit
Die europäische Kunststoffrecycling-Industrie befindet sich in einer entscheidenden Transformationsphase. Das zeigten sowohl die Plastics Recycling Show Europe 2026 als auch die ausgezeichneten Award-Gewinner. Speziell die prämierten Lösungen zeigen exemplarisch auf, wie regulatorische Anforderungen, technologische Innovation und Nachhaltigkeitsziele miteinander verbunden werden können.
Ein zentrales und übergreifendes Learning für unsere Branche: Erfolgreiche Verpackungskonzepte können künftig nicht mehr allein über Produktschutz und Kosten definiert werden, sondern müssen sich zunehmend im Bereich Recyclingfähigkeit, Rezyklateinsatz und bei der Integration in funktionierende Kreislaufsysteme beweisen.