War die Interpack 2026 nun der erhoffte Stimmungsaufheller für die Verpackungsindustrie? Die Meinungen gehen auseinander. Einerseits bestätigt sie ihre Rolle als internationale Leitmesse für Processing und Packaging und bleibt bei Ausstellerzahl und Themenbreite stark. Es gibt aber auch rückläufige Entwicklungen. Wir werfen einen allgemeinen Blick auf die Zahlen und die wichtigsten Themen der Messe, schauen etwas genauer auf den Bereich Maschinenbau und berichten von unserem gemeinsamen Projekt mit Schubert sowie einem Beispiel für die Kreislaufwirtschaft von Polypropylen.
Die Interpack in Zahlen
Auf der Interpack präsentierten sich vom 7. bis zum 13. Mai 2026 insgesamt 2.804 Aussteller aus 65 Ländern. Dazu kamen rund 100 Unternehmen der Begleitmesse „Components“, die zum vierten Mal stattfand.
Unter dem Strich meldete die Messe rund 127.000 Fachbesucher aus 161 Ländern. Gegenüber der interpack 2023 mit rund 142.000 Besuchern ist das ein Rückgang um etwa 15.000 Personen beziehungsweise rund 10,6 Prozent.
Bemerkenswert ist, dass die Bilanz bei den Ausstellern anders aussieht. Hier konnte die Interpack gegen über den 2.728 Ausstellern im Jahr 2023 um 2,8 Prozent beziehungsweise 76 Aussteller auf 2.804 zulegen.
Die gefühlte Wirklichkeit
Auch gefühlt hatten wir während des mehrtägigen Messebesuchs den Eindruck, dass in den Hallen weniger Besucher als gewohnt unterwegs waren. Auf der anderen Seite konnten wir bei Standbesuchen und in persönlichen Gesprächen insbesondere mit vertretenen Maschinenbauern das Gegenteil erleben und erfahren. Hier stießen wir auf sehr gut besuchte Stände, sehr hochwertige Gespräche auf Entscheiderebene und zufriedene Gesichter.
Besucherstruktur im Wandel? Europa, USA, Asien
Was wir öfter hören konnten, war der Eindruck, dass weniger Besucher aus den USA und aus Asien vor Ort waren als früher. Tatsächlich belegen die Zahlen, dass die Besucherstruktur zwar insgesamt international bleibt, sich aber verschoben hat.
- 2026 kamen 75 Prozent der Besucher aus dem Ausland, davon 28 Prozent aus Übersee. Absolut entspricht das bei 127.000 Besuchern etwa 35.600 Übersee-Besuchern.
- 2023 kamen zwei Drittel der Besucher aus dem Ausland. Die Interpack-Strukturdaten 2023 nennen bei der Herkunft 70 Prozent Europa, 16 Prozent Asien, 9 Prozent Amerika und 4 Prozent Afrika. Daraus ergibt sich für 2023 ein außereuropäischer Anteil von etwa 30 Prozent, also rund 42.600 Personen.
- In Summe deutet dies darauf hin, dass die absoluten außereuropäische Besucherzahl 2026 mehr als 15% niedriger waren als 2023.
Für die USA und Asien ist der gefühlte Rückgang somit plausibel, wenn auch nicht im Detail belegt.
Aussteller-Mix im Wandel?
Gefühlt hat auch der Anteil der Converter und Packmittelhersteller unter den Ausstellern abgenommen. Aus der Statistik lässt sich das zwar nicht herauslesen, aber es fällt auf, wenn es vor Ort weder von Amcor, noch von Constantia Flexibles noch von Mondi einen Messestand gibt.
Auf die Frage, wie es ganz spezifisch bei den Verpackungsherstellern aussieht, geben die verfügbaren offiziellen Zahlen der Interpack keine Antwort. Für 2026 beziffert die Messe die Aussteller der Kategorie „Packstoffe/Materialien, Packmittel und Packhilfsmittel“ mit 1.016. Eine direkt vergleichbare Angabe für 2023 fehlt jedoch.
Die Hauptthemen auf der Interpack
Manufacturing, Innovative Materials und Future Skills waren die drei Hauptthemen des diesjährigen Interpackt.
- Die offizielle Messe-Kommunikation nannte als konkrete Themen Automatisierung, digitale und datenbasierte Produktionssysteme, KI-Anwendungen, flexible Anlagenkonzepte sowie neue Materialien mit Blick auf Recyclingfähigkeit, Ressourceneffizienz sowie regulatorische Anforderungen wie beispielsweise die PPWR.
- Die Themen Automatisierung und insbesondere flexible Anlagenkonzepte können wir aufgrund unserer eigenen Erfahrungen als Top-Themen bestätigen. Modular aufgebaute, zukunftssichere Maschinenkonzepte begeisterten an vielen Ständen die Besucher.
- Überraschenderweise war die PPWR nur auf vergleichsweise wenigen Ständen ein Thema. Das hatte auf der Fachpack im vergangenen Jahr ganz anders ausgesehen.
Schubert und BP Consultants auf der Interpack
BP Consultants konnte gemeinsam mit Schubert als Pionier in der Entwicklung modularer Verpackungsmaschinen jedoch einen wichtigen Akzent mit Blick auf die PPWR setzen. Konkret ging es darum, sowohl Hersteller von Konsumgütern des täglichen Bedarfs (FMCG) als auch Hersteller von Industrieprodukten partnerschaftlich zu unterstützen – von der Ermittlung des durch gesetzliche Vorschriften bedingten Veränderungsbedarfs bis hin zur Automatisierung von Verpackungslinien.
Dazu haben wir auf dem Stand von Schubert und im Rahmen unseres gemeinsamen PackagingCompetenceCenter dargestellt, welchen Einfluss die PPWR und der durch die neue EU-Regulierung hervorgerufene Veränderungsbedarf bei Verpackungen und Verpackungsmaterialien hat und wie sich dies auf die Automatisierung von Verpackungslinien auswirkt, inklusive Fallstudien zu typischen Verbraucherverpackungen, die möglicherweise nicht den Anforderungen der PPWR entsprechen und bei denen Anpassungen erforderlich sind.
Kreislaufwirtschaft bei Polypropylen-Verpackungen
Wie Kreislaufwirtschaft vorangetrieben werden kann, zeigten Jokey Group und Remondis anhand eines Projekts, das mit Unterstützung des WWF vorangetrieben wird. Konkret geht es dabei um einen geschlossenen Materialkreislauf von Polypropylen-Verpackungen aus der Lebensmittelindustrie. Ziel ist es, gebrauchte Kunststoffverpackungen aus dem gewerblichen Lebensmittelbereich zu sammeln, aufzubereiten und das daraus gewonnene Rezyklat erneut für Verpackungen mit Lebensmittelkontakt einzusetzen.
Auf einem Panel stellten Vertreter der drei Projektpartner ihre Arbeit vor und betonten die Bedeutung starker Partnerschaften für eine erfolgreiche „Verpackungswende“. WWF-Vertreter Tom Ohlendorf machte dabei deutlich, dass die Branche in den letzten Jahren viel erreicht habe aber noch viel zu tun bleibe. Im O-Ton: „Wir sehen weiterhin viele unnötige und nicht optimierte Verpackungen, einen zu hohen Einsatz von Primärmaterialien, zu wenig optimierte Mehrwegsysteme, hohe Abfallmengen und Umweltverschmutzung.“
Fazit
Insgesamt zeigt die interpack 2026 ein ambivalentes Bild: Die Messe bleibt bei Internationalität, Ausstellerzahl und Themenbreite stark, verzeichnete aber gleichzeitig einen klaren Besucherrückgang gegenüber 2023. Die Zukunft wird zeigen, ob die rückläufige Entwicklung der außereuropäischen Besucher ein kritischer Wendepunkt ist und sich beispielsweise als weiteres Zeichen einer rückläufigen Globalisierung gedeutet werden muss. In unseren Gesprächen mit Maschinenbauern konnten wir feststellen, dass eine stärkere Fokussierung auf Europa durchaus bereits als eine valide strategische Option verfolgt wird.