Die Goldene Kombination: Digitalisierung und Innovation. Warum greift fast niemand zu?

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Spitzenpositionen bei der Digitalisierung sind unter den mittelständischen Unternehmen der Verpackungsbranche eher die Ausnahme als die Regel. Oft wird freiwillig darauf verzichtet, dabei sind Digitalisierung und Innovation entscheidende Treiber für Erfolg und Wachstum. Gerade die Kombination bringt den Erfolg – nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft. Wir zeigen Ihnen, warum das so ist, welcher Weg zum Erfolg führt und was es an Best Practice bereits gibt.

 

In der Top-15-Rangliste der digitalen Pioniere im deutschen Mittelstand gehören mit Theegarten-Pactec und Uhlmann Packsysteme auch zwei Verpackungsmaschinenbauer. Leider sind solche Spitzenpositionen beim Thema Digitalisierung in der Verpackungsbranche eher die Ausnahme als die Regel.

 

Freiwilliger Verzicht auf Erfolg

Das ist nicht nur bedauerlich, sondern fatal. Denn Digitalisierung und Innovation sind erwiesenermaßen Treiber von technologischem Fortschritt und Wachstum. Warum also verzichten so viele Unternehmen darauf?

Untersuchungen wie jene von KfW Research zeigen, dass das Verhalten von Unternehmen oft durch das Marktumfeld bedingt ist. Ist es stabil, gibt es wenig Konkurrenz und herrscht eine geringe Preisreagibilität, dann fehlt oft der Druck, Innovations- und/oder Digitalisierungsaktivitäten durchzuführen.

 

Erfolgreiche Geschwister: Digitalisierung und Innovation

Digitalisierung und Innovation: Für Unternehmen lohnt es sich, beide Aktivitäten stringent zu verfolgen. Denn beide haben einen starken Einfluss auf den Erfolg von Unternehmen. Das zeigt auch eine Studie von KfW Research.

Zur besseren Einordnung der Ergebnisse lohnt es sich, die Bedeutung der beiden Begriffe kurz zusammenzufassen: Innovationen sind nach Definition der OECD Produkte und/oder Prozesse, die sich deutlich von bisherigen unterscheiden. Digitalisierung meint nach Definition der OECD die Anwendung oder Ausweitung der Nutzung digitaler Technologien.

Die KfW-Studie liefert konkrete Ergebnisse und Argumente für die Verbindung von Innovation und Digitalisierung in den Unternehmensaktivitäten.

Die drei zentralen Aussagen:

  1. Unternehmen mit Innovations- UND Digitalisierungsaktivitäten sind mit Abstand am erfolgreichsten. Im Vergleich zu Unternehmen ohne Innovations- und Digitalisierungsaktivitäten liegt
    • die Umsatzrendite um 15,2 Prozent höher,
    • das Umsatzwachstum um 7,1 Prozent höher und
    • die Produktivität um 15,2 Prozent höher.
  2. Unternehmen mit reinen Innovationsaktivitäten sind im Vergleich dazu weniger erfolgreich.
    • Die Umsatzrendite ist um 11 Prozent niedriger.
    • Das Umsatzwachstum ist um 5,2 Prozent geringer.
    • Die Produktivität ist 4 Prozent geringer und beträgt 11,2 Prozent.
  3. Unternehmen mit reinen Digitalisierungsaktivitäten sind noch weniger erfolgreich. Im Vergleich zu Unternehmen, die Innovieren und Digitalisieren ist
    • die Umsatzrendite ist um 8,6 Prozent geringer,
    • das Umsatzwachstum um 3,5 Prozent geringer und
    • die Produktivität mit 8,9 Prozent um 6,3 Prozent schwächer.

 

Die Situation in der Verpackungsindustrie

In der Verpackungsindustrie dominieren traditionell die Produktinnovationen. Aktuell entfallen sie zum überwiegenden Teil auf den Bereich Nachhaltigkeit.

Beim Thema Digitalisierung hat die Branche eindeutig Nach- und Aufholbedarf. Aktuelle Aktivitäten fokussieren hauptsächlich die Prozessoptimierung. Auf die Ebene der Produkte oder Geschäftsmodelle gehen sie jedoch nur selten über.

Das ist bedauerlich. Denn unsere Erfahrung deckt sich mit den Ergebnissen der oben genannten KfW-Studie und zeigt, dass gerade Unternehmen, die eine Kombination von Digitalisierung und Produktinnovation anstreben, den größten Mehrwert generieren können. Der Verzicht auf das kombinierte Vorgehen führt entsprechend dazu, dass sich ein Großteil der Verpackungsindustrie große Chance entgehen lässt. Dabei könnten Sie Werte schaffen, sich als Vorreiter positionieren und fit für die Zukunft machen.

 

Erfolgsbeispiele

Aber auch in der Verpackungsindustrie gibt es Vorreiter. Zwei Unternehmen, die die erfolgsbringende Kombination bereits verfolgen, sind Marbach und Labelprint24.

  • Marbach connectM: connectM ist ein von der Firma Marbach entwickeltes, digitales Stanzwerkzeug. Durch den Einsatz von Kameras, Sensoren und QR-Codes können das Smart-Tool (Werkzeug), die Stanzmaschine und der Anwender verbunden werden. Das ermöglicht Performance-Tracking sowie ein effizientes Werkzeugmanagement. connectM ist eine Produktinnovation, die erst mit Hilfe digitaler Technologien möglich wurde.
  • digiBOX von Labelprint24: Die digiBOX als „schnellste Faltschachtel der Welt“ ist eine individuell bedruckte Box, die durch den Einsatz von Laserstanzen komplett digital und automatisiert hergestellt wird. Auch digiBOX ist eine Produktinnovation, die erst mit Hilfe digitaler Technologien möglich wurde. Sie wird darüber hinaus über einen digitalen Vertriebskanal mit einem entsprechenden, digitalen Prozess angeboten.

 

Fazit

Nachhaltig erfolgreich zu sein bedeutet, hohes Wachstum, hohe Produktivität und eine hohe Umsatzrendite zu erzielen. Unternehmen der Verpackungsindustrie sollten sich für dieses Ziel mit Digitalisierung und Innovation beschäftigen, idealerweise in Kombination.

Der kombinierte Weg ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil für den aktuellen Erfolg. Er sorgt gleichzeitig für beste Voraussetzungen, um auch in Zukunft erfolgreich zu bleiben und als Unternehmen bei künftigen Herausforderungen agil agieren und reagieren zu können.

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    Julia Schober

    schober@bp-consultants.de