Food-Industrie: Mit Start-ups wachsen.

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Knapp 11 Prozent der deutschen Start-ups arbeiten in der Ernährungs- und Nahrungsmittelbranche. Insgesamt wurden 2019 in Deutschland mehr als 150 Food Start-ups gegründet. Fast 90 % davon generieren Umsätze in den unterschiedlichsten Trendbereichen. Für arrivierte Marken sind sie beachtliche Wettbewerber, die oft genug relevante Marktanteile erobern. Für Verpackungshersteller und Maschinenbauer bieten sie dagegen attraktive Wachstumschancen. Wir geben einen Überblick zu Markt und Trends.

 

Start-ups sind für Ausrüster und Lieferanten von Technik, Material und Services immer einen Blick wert. Denn die dynamischen, neuen Player schaffen nicht nur neue Nachfrage, sie nehmen auch den arrivierten Marken oft genug Marktanteile weg.

Da Start-ups gerade in ihrer Anfangsphase noch nicht über etablierte Partner entlang der Wertschöpfungskette verfügen, bieten sie den Unternehmen der Verpackungsindustrie gute Chancen für neue Geschäfte und gemeinsames Wachstum.


Start-ups in Deutschland: Fakten

  • Die meisten deutschen Start-ups beschäftigen sich mit Software. Knapp 11 Prozent sind in der Ernährungs- und Nahrungsmittelbranche tätig.
  • 2019 wurden mehr als 150 Food Start-ups gegründet. Fast 90 % davon generieren Umsätze, jedes Dritte macht einen Umsatz von 1 – 150.000 Euro.
  • Entlang der gesamten Wertschöpfungskette der deutschen Lebensmittelbranche arbeiten rund 5,8 Millionen Beschäftigte in circa 700.000 Betrieben.
  • Insgesamt wurden 2019 in Deutschland mehr als 2.289 Start-ups gegründet. Berlin, Bayern und NRW sind die „Start-up-Hotspots“ mit zusammen 1.343 Neugründungen.
  • Die wichtigsten Geschäftsfelder deutscher Food-Start-ups sind neue Produkte und Lieferdienste.
  • Das Durchschnittsalter der deutschen Gründer:innen beträgt 35 Jahre.
  • Business Angels haben mit 74 Prozent den größten Anteil an der Start-up-Finanzierung. Venture Capital folgt mit 12 Prozent.


Trends: Fruchtbarer Boden für Gründer

Die meisten Start-ups suchen sich aufkeimende oder bereits laufende Trends, die sie bedienen und innovieren können. Die wichtigsten Trends und ihre Subthemen stellen wir hier vor.


Konsumenten

  • Individuelle Gesundheit
    • Von allgemeinen Ernährungsempfehlungen bis hin zur individuellen Ernährungsberatung, die auf die eigene DNA- oder das persönliche Darm-Mikrobiom abgestimmt sind.
  • Responsibility – Gesellschaftliche Verantwortung:
    • Reduzierung des Fleischkonsums (Less Meat. Flexitarische, vegetarische oder vegane Ernährung).
    • Alternative Fleisch bzw. Proteinquellen (beispielsweise Insekten)
    • Regionalität (Local Food für mehr Tierwohl, kurze Transportwege und weniger Konservierungsmittel bzw. chemische Zusatzstoffe)
    • Transparenz (Blockchain und neue Authentifizierungstechnologien für ökologische und soziale Verantwortung und Gerechtigkeit)


Technik

  • Hightech-Farming
    • Vertical-Farming. Vertikale Gewächshäuser in Supermärkten
    • Underwater-Farming. Nutzpflanzen auf dem Meeresboden
    • Floating Farms. Schwimmende Farmen gelten als umweltfreundlich und ressourcenschonend. Sie werden für die Tier- und Pflanzenzucht eingesetzt.
  • Lebensmittel direkt vom Erzeuger
  • Synthetische Lebensmittel
  • Biologisch aktive Pflanzenstoffe
  • Ghost Kitchens. Restaurants, in denen nur gekocht, aber kein Gast bedient wird.


Produkte

  • Phyto-Nährstoffe. Nahrungsmittel, die einen Nutzen für das Immunsystem bieten.
  • Superfrüchte aus dem Amazonas- und Andengebiet. Meist mit hohem Anteil an Vitaminen und Mineralien. Beispiele sind Buriti, Camu-Camu und Maca.
  • Plant Based Food
  • Liquid Evolution. Auch Getränke werden funktioneller. Beispiele sind Infused Beer, Fibre Water, Protein-Wasser, Cold Brew Coffee oder Mocktails mit Superfoods.
  • Alkoholfreie Spirituosen
  • Funktionelle Tees. Hier sollen die Inhaltsstoffe den Blutdruck senken oder Energie spenden.


Next Level

  • Agritech & Smart Farming
  • Digitalisierung der Produktion und neue Anbaumethoden. Ziele sind effiziente und beschleunigte Züchtungsfortschritte, reduzierte Emissionen und umweltfreundliche Erzeugung.
  • Cellular Agriculture. Hier produzieren Bakterien auf nachhaltige Weise Nährstoffe.
  • Food-Roboter. Beispielsweise zur Fertigung von Burgern ohne menschliches Zutun.
  • 3D Food Printing. Zur Vereinfachung des Kochprozesses durch Lebensmitteldruck. Das Ausgangs-produkt kommt dafür in Kapseln. Noch in der experimentellen Phase befindet sich der Druck von lebenden Zellen.


Best-Practice: Erfolgreiche Food-Start-ups

  • Just Spices hat den bis dato von traditionellen Herstellern und Importeuren dominierten Markt für Gewürze
  • Grillido hat mit High-Protein-Würstchen erfolgreich den Sportnahrungsmarkt
  • Luicella’s Ice Creams baut auf eine bislang einzigartige Kombination aus eigenen Eisdielen, DIY-Kits und fertigen Produkten im Supermarkt.
  • YFood hat mit einer neuen Trinkmahlzeit den Markt für den „Snack für zwischendurch“ revolutioniert.
  • UNMILK wurde mitten in der Corona-Krise gegründet hat es mit pflanzlichen Proteindrinks bereits in fast allen Rossmann-Filialen geschafft.


Food-Start-ups: Immer einen Blick wert

Start-ups haben ein riesiges Potential. Dass sie den alteingesessenen Brands Marktanteile abnehmen, ist längst bewiesen und kein Einzelfall. Unsere klare Empfehlung lautet daher, das spannende Segment der schnell wachsenden Start-ups zu sondieren und kontinuierlich im Blick zu behalten. Denn neue Player brauchen neue Verpackungen, Maschinen und Services. Wer hier rechtzeitig einen Fuß in die Tür bekommt, kann neues Wachstum einbuchen.

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    Karsten Beutner
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