Kunststoff unter Druck. Faser profitiert. Es geht ans Eingemachte

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Im zweiten Beitrag unserer Reihe zur Ellen MacArthur Foundation (EMF) schauen wir auf Bestrebungen und konkrete Beispiele für die „Beseitigung von problematischen oder unnötigen Kunststoffverpackungen“. Getrieben von Regulierern, Verbraucherwünschen und aktuellen Studien wird das Top-Thema der Kunststoffeliminierung speziell für jene Verpackungsunternehmen existentiell, die keine überzeugenden Alternativen im Portfolio haben. Profitieren kann vor allem, wer faserbasierte Lösungen im Angebot hat.

 

Als globaler Vordenker in Sachen Kreislaufwirtschaft forciert die Ellen MacArthur Foundation (EMF) einerseits die Eliminierung sogenannter „kritischer Kunststoffe“ wie beispielsweise Carbon Black und PVC. Anliegen und Aktivitäten der EMF gehen jedoch weit darüber hinaus. So setzt sich die Foundation stark für die generelle Reduktion oder gar Eliminierung von Kunststoffen ein, wo diese nicht zwingend benötigt werden. Große Player wie Nestlé, Unilever oder der Streichfettproduzent Upfield unterstützen als EMF-Mitglieder diese Ziele sehr konsequent und mit ambitionierten Zeitplänen.

 

Der globale Trend zur Reduzierung oder Vermeidung nicht zwingend notwendiger Kunststoffe stellt die Verpackungsindustrie im Kontext stark veränderter Anforderungen durch Markenartikler und Handelsmarken vor große Herausforderungen.

 

Breaking the Plastic Wave: Situation und Potential

Die Studie „Breaking the Plastic Wave“, die in Kooperation mit der EMF unter anderem von SYSTEMIQ und The Pew Charitable Trusts erstellt wurde, geht davon aus, dass im Rahmen der von Regulierern und Industrie bereits eingeleiteten Maßnahmen bis 2040 lediglich 7 Prozent des unerwünschten Eintrags von Kunststoff in die Weltmeere eliminiert werden. Kritisiert wird, dass sich die meisten der neuen Regulierungen auf spezifische Produkte beziehen, anstatt einen grundsätzlichen Systemwechsel zu forcieren.

 

Laut der Studie könnten auf globaler Ebene durch Eliminierung und Wiederverwendung von Kunststoff sowie durch neue Liefermodelle jedoch bis zu einem Drittel des eingesetzten Kunststoffs bei Kunststoffverpackungen eingespart werden. Speziell dem Faktor der Eliminierung wird ein beträchtlicher Anteil an diesen Einsparungen zugeschrieben.

 

Ein weiteres Sechstel des eingesetzten Kunststoffs kann laut der Studie durch den Ersatz von Kunststoffen durch Papierbasierte und kompostierbare Materialien eingespart werden.

 

Strategien für das Verpackungs-Design

Markenartikler und Handelsmarken setzen bereits seit einiger Zeit massiv auf die Eliminierung von Kunststoff in ihren Verpackungen. Dabei werden vor allem zwei Designstrategien verfolgt:

 

Eliminierung von problematischen Kunststoffen

Zu den problematischen Kunststoffen werden unter anderem Carbon Black, PVC und expandierbares Polystyrol gezählt. Die EMF-Unterzeichner haben schon jetzt bis zu 94 Prozent einzelner, problematischer Kunststoffe eliminiert. Die Zahl der Unternehmen, die keine problematischen Kunststoffe mehr einsetzen, ist im Zeitraum 2018 bis 2020 um 25 Prozent gestiegen. Das Abrücken dieser Kunststoffe stellt eine grundsätzliche und starke Bewegung im Markt dar.

 

Allgemeine Reduzierung des Anteils an Virgin-Kunststoff in Verpackungen.

Auch wenn es für die allgemeine Reduzierung von Kunststoffverpackungen keine offiziellen EMF-Ziele gibt, verpflichten sich viele große Markenartikler zu einer Reduzierung von Virgin Plastics. So hat Unilever seine Reduktionsziele bis 2025 auf 50 Prozent festgeschrieben.

Erreicht werden sollen die Einsparungen beispielsweise über

  • den verringerten Materialeinsatz durch Gewichtsreduzierung, Dickenreduzierung oder die Volumenoptimierung von Produkt und Verpackung
  • die Umstellung auf faserbasierte Verpackungen. Diese Strategie hat zu einer Renaissance von Papier geführt, die inzwischen auch die Lebensmittelindustrie zunehmend erreicht.

 

Faser statt Kunststoff bei Lebensmittelverpackungen

  • Beispiel Becher: Karton-Kunststoff-Kombinationen wie beispielsweise bei Joghurt- oder Streichfettbechern sowie beschichte Kartonbecher wie beispielsweise bei Speiseeis zeigen ein starkes Wachstum.
  • Beispiel flexible Verpackungen: Hier finden Umstellungen auf faserbasierte Folien sowohl bei der Primärverpackung (u. a. Nestlé) als auch bei Multipacks (u.a. Mars) statt.
  • Beispiel Thermoform-Trays: Hier kommen zunehmend Hybride zum Einsatz. Alternativ werden Trays, beispielsweise bei Keksen, komplett von Kunststoff auf Karton umgestellt.

 

Wer aussitzen will, wird sitzenbleiben

Die Eliminierung von Kunststoff in Verpackungen ist inzwischen fest in der globalen Agenda verankert. Ein „Zurück“ wird es nicht geben. Treiber der Entwicklung sind einerseits die immer stringenter agierenden Regulierer, die auf nationaler und europäischer Ebene agieren und beispielsweise über Plastiksteuer und Maßnahmen gegen „Overpackaging“ Druck ausüben. Gleichzeitig rücken Konsumentinnen und Konsumenten immer stärker vom Kunststoff ab. Gerade jüngere Zielgruppen mit einem hohen Umweltbewusstsein präferieren oft faserbasierte Verpackungen, die als nachhaltiger empfunden werden.

 

Wer als Verpackungsunternehmen weiterhin ausschließlich auf Virgin-Kunststoff setzt, läuft Gefahr, relevante Teile seines Geschäfts zu verlieren. Abwarten und aussitzen ist keine Lösung. Die Entwicklung alternativer Lösungen ist das Gebot der Stunde.

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