Q-Commerce: Der jüngste Spross des E-Commerce klopft an die B2B-Tür

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Busy Lifestyles, kleinere Haushalte, alternde Bevölkerung, Urbanisierung und vor allem das verstärkte Online-Sein während der COVID-19-Pandemie haben den traditionellen E-Commerce revolutioniert und weiterentwickelt. Das neue Level lautet Q-Commerce (Quick-Commerce). Er bringt eine neue Geschwindigkeit, mehr Individualisierung und Komplexität, frische Herausforderungen und frische Chancen für Wachstum. Wir stellen Ihnen den neuen Trend vor, zeigen die Unterschiede zum klassischen E-Commerce und beleuchten die Konsequenzen für die Verpackungswirtschaft und das B2B-Geschäft.

 

E-Commerce ist ein starkes Beispiel dafür, wie schnell und dynamisch sich Märkte und ihre Rahmenbedingungen ändern können. Die in Teilen disruptive Entwicklung übt ihrerseits Rückwirkungen auf den E-Commerce aus, der sich entsprechend weiterentwickelt. Das neue Level lautet Q-Commerce.

 

Q-Commerce

Quick-Commerce hat Geschwindigkeit als zentralen Faktor. Er fällt damit in den Bereich von Delivery On Demand (DOD). Charakteristisch für Q-Commerce sind:

  • kleine Mengen, die in Zeiträumen von 10 bis 60 Minuten ausgeliefert werden und
  • eine starke Abhängigkeit von neuen Technologien, die Kundenanfragen innerhalb kürzester Zeit bearbeiten können. Zum Einsatz kommen beispielsweise Chatbots.

Typische Unternehmen für den Bereich des Q-Commerce sind Lieferanten von Lebensmitteln wie zum Beispiel Delivery Hero, Food Panda oder Gorillas.

 

Unterschiede zum E-Commerce

Der Hauptunterschied zwischen E- und Q-Commerce liegt im Faktor Zeit. Aber auch Transportmittel, Produktangebot, Zielgruppen und Liefergebiete zeigen Unterschiede.

  • Faktor Zeit: Beim E-Commerce rechnen Konsumentinnen und Konsumenten mit Lieferzeit von ein bis drei Tagen. Beim Q-Commerce erfolgt die Lieferung innerhalb einer Stunde.
  • Faktor Transport: Während E-Commerce auf vier Räder setzt und mit LKWs und Kleintransportern ausliefert, setzt Q-Commerce auf Zweiräder.
  • Faktor Produktpalette: Q-Commerce bietet typischerweise nur eine kleine Produktauswahl. Anstelle von Mega-Warenhäusern wie im E-Commerce gibt es beim Q-Commerce vereinzelte, lokale Stores oder kleine Warenhäuser, was die schnelle Lieferung begünstigt.
  • Faktor Zielgruppe: Im E-Commerce stehen Mehrpersonenhaushalte mit höherer Preissensibilität im Fokus. Q-Commerce hat vor allem Einpersonenhaushalte im Visier, die bereit sind, mehr Geld auszugeben.
  • Faktor Liefergebiete: Während E-Commerce gleichermaßen auf die städtische und die ländliche Bevölkerung abzielt, ist Q-Commerce durch seine Lager-Infrastruktur und die Transportmittel für die Stadt maßgeschneidert.

 

B2C ebnet den Weg für B2B

Aktuell ist Q-Commerce ein Trend im B2C-Bereich. Erfahrungsgemäß sind B2C-Trends jedoch oft Wegweiser für Entwicklungen auch im B2B-Segment. Das für den Q-Commerce charakteristische „impulsive Käuferverhalten“ mit kleineren Bestellgrößen und schnelleren Lieferzeiten ist auch auf der B2B-Ebene bereits erkennbar.

 

Konsequenzen für die Verpackungsbranche

Für die Verpackungsbranche bedeutet der Trend hin zur Individualisierung eine erhöhte Komplexität, die sich in kleineren Losgrößen und damit in filigraneren, flexibleren und schnelleren Abfertigungskonzepten zeigt.

Perspektivisch ist denkbar, dass sich auch im B2B-Segment der Verpackungsbranche Wünsche nach „Delivery On Demand“ sowie außerplanmäßigen Bestellungen entwickeln, bei denen Lieferungen innerhalb kürzester Zeit erwartet werden.

Unter dem Strich bedeutet das: Die Unternehmen unserer Branche müssen für neue und intelligente Lösungen in Bezug auf Lieferung, Lagerung und Service sorgen. Neue Geschäftsmodelle und die Erweiterung bisheriger Geschäftsmodelle stehen damit auf der Agenda. Nur so werden sich die Herausforderungen von immer engmaschigeren Wertschöpfungsketten und immer komplexeren Kundenanforderungen bewältigen und gleichzeitig neue Potentiale für Wachstum erschließen lassen.

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