Quo vadis Verpackungsmaschinenbau?

Maschinenbau

Der Auftragseingang des deutschen Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinenbaus sank im ersten Quartal 2020 um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Diese massive Bewegung hat ihre Gründe. An erster Stelle steht jedoch weniger die Corona-Pandemie als vielmehr die Verunsicherung auf Kundenseite. Die Fragen im Raum: Wohin führt die Reise in Bezug auf die Verpackung der unmittelbaren Zukunft? Bleibt Kunststoff im Rennen? Und wenn ja, welcher Kunststoff? Vielleicht auch nur als Rezyklat? Welches Material setzt sich für welchen Anwendungsbereich im Einzelfall durch? Wie stark diese Unsicherheit durchschlägt, zeigt der Blick auf den Umsatz speziell im Bereich Kunststoffverpackungsmaschinenbau: Der Rückgang ist hier stark überdurchschnittlich und erreicht bis zu 40 Prozent.

 

Der Umsatzrückgang des deutschen Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinenbaus ist unübersehbar. 19 Prozent im ersten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahr sprechen eine klare Sprache. Unsere internen Zahlen zeigen, dass sich der Rückgang im zweiten Quartal weiter bestätigt und im dritten Quartal 2020 sogar noch massiv verstärkt hat.

Anders, als manche denken mögen, ist jedoch nicht die Corona-Pandemie und der Lock-down hauptverantwortlich. So ging der Fachverband Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen des VDMA auf Grund der schwachen Ordertätigkeit bereits im November 2019 von einem Produktionsrückgang von Verpackungsmaschinen für 2020 aus. Wiesen die Produktionszahlen von Verpackungsmaschinen in den ersten drei Quartalen 2019 noch ein Plus von insgesamt 8 Prozent aus, sanken sie im vierten Quartal bereits um 10 Prozent unter den Vorjahresvergleichswert. Corona war da noch kein Thema.

Als Gründe werden gemeinhin der Preiswettbewerb, höhere Auslandsbarrieren und eine zunehmende Fragmentierung der Märkte genannt. Das alles spielt tatsächlich eine Rolle. Entscheidend jedoch ist die Unsicherheit auf Kundenseite. So ist beispielsweise im Lebensmittelbereich ungeklärt, wie der Jogurt morgen verpackt wird. Wird es ein Kunststoffbecher? Und wenn ja, aus welchem Kunststoff? Oder wird es ein Rezyklat? Oder Glas? Oder beschichtetes Papier? Oder eine leicht trennbare Kombination aus unterschiedlichen Materialien?

Es ist für Produkthersteller unklar, wohin die Reise geht. Was wird regulatorisch gewünscht? Was gefördert? Was verboten? Gilt das, was für den einen nationalen Markt gilt, auch für den anderen?

Unter diesen Voraussetzungen in neue Maschinen zu investieren, ist ein Risiko. Da bleibt man lieber erst einmal bei dem, was man hat und das (noch) funktioniert. Genau diesen Umstand spüren die Verpackungsmaschinenbauer ganz massiv. Restrukturierungen sind die Regel. Die Probleme sind da – und müssen angegangen werden.

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    Karsten Beutner

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