Sustainability Awards 2020 zeigen Stoßrichtungen

Sustainability

Seit 2018 vergibt das Magazin Packaging Europe jährlich den Sustainability Award. Von Anfang an ist Thomas Reiner, CEO der Berndt+Partner Group, Teil der Jury. Dass gerade Berndt+Partner in die Jury berufen wurde, ist kein Zufall. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist das Thema Nachhaltigkeit Teil der DNA unserer Gruppe. Der diesjährige Wettbewerb hat bestätigt, wie stark die von uns seit längerem konstatierte Dynamik im Nachhaltigkeitsbereich tatsächlich ist. Allein die Zahl der Einreichungen war mit 275 mehr als doppelt so hoch wie in 2019. Bestätigt hat sich auch unsere Einschätzung, dass die Industrie aktuell sehr unterschiedliche Stoßrichtungen im Bereich Nachhaltigkeit verfolgt.

 

Gesamtsieger und gleichzeitig Preisträger in der Kategorie „Bio-Based Packaging“ wurde die funktionale, bio-abbaubare Barriereschicht bioORMOCER® des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung ISC. Das Coating ist mit weniger als 1-3 µm so dünn, dass beschichtete Verpackungen als Monomaterial behandelt und entsprechend recycelt werden können. Damit löst die Beschichtung eine wichtige Forderung ein: Verpackungen müssen unter den gegebenen Bedingungen real recycelbar sein. Denn eine theoretische Recycelbarkeit hilft uns in Sachen Nachhaltigkeit nicht weiter, auch wenn sie 80 oder 90 Prozent beträgt. Grundsätzlich sind nachhaltige Kunststoffverpackungen ein spannender Ansatz, dem die Zukunft gehört. Interessant ist dabei die Frage, was eine „nachhaltige“ Kunststoffverpackung ausmacht. Ist sie rezyklierbar? Ist sie wiederverwendbar? Ist sie biologisch abbaubar?

In der Kategorie Best Practice gewann die frei zugängliche EasyD4R® Software von Henkel. Das Tool soll Verpackungsentwicklern eine schnelle und zuverlässige Überprüfung der Recyclingfähigkeit von Verpackungen „per Knopfdruck“ bereits während der Produktentwicklung ermöglichen. Henkels Tool ist ein Wegweiser in die richtige Richtung, auch wenn es im Grunde noch zu früh für eine solche Lösung ist, weil die benötigten Kriterien für die Vielzahl an Materialien, Materialkombinationen und Anwendungsbereiche noch längst nicht vollständig ausformuliert sind. Im B+P Game-Changer-Blog haben wir bereits vor einiger Zeit über das Tool berichtet. Bei Interesse finden Sie hier weitere Informationen.

In der Maschinen-Kategorie gewann Syntegons PaperForming technology. Die Maschine wurde speziell für Papier und faserbasierte Materialien entwickelt. Sie zeigt die von uns schon seit längerem konstatierte Renaissance von Papier, die im Zuge der laufenden Reduktion des Kunststoffeinsatzes weiter ungebrochen ist und sukzessive auch in bisherige Domänen des Kunststoffs, wie beispielsweise den Kosmetikbereich, eindringt.

Entscheidend für das Gelingen der Nachhaltigkeitsbestrebungen ist vor allem anderen das Schließen der Kreisläufe. Ohne eine tatsächlich funktionierende Circular Economy ist Nachhaltigkeit undenkbar. Das betrifft zwar aktuell vor allem den Bereich Kunststoff, wo die Lücken im Kreislauf am größten sind, aber es gilt gleichermaßen für alle anderen Materialien. Die Ardagh Group hat nun eine Methode vorgestellt, mit der im Glas-Bereich auch bisher unverwertbarer Abfall wiederverwertet werden kann. Selbst feinste Glas-Partikel und Scherben, die bisher im Recyclingprozess keine Verwendung fanden, können nun zu wieder einschmelzbaren Briketts verarbeitet werden.

Eine weitere Stoßrichtung in Bezug auf Nachhaltigkeit ist die grundsätzliche Reduzierung des Verpackungsaufwands. Hier haben in jüngster Zeit unterschiedliche Markenhersteller erste Pilotversuche mit Refill-Stationen gestartet. Auch Beiersdorf gehört dazu. Wie attraktiv das Nachfüllen aus Nachhaltigkeitsperspektive ist, zeigt ein einfaches Rechenbeispiel. Selbst bei lediglich drei Wiederbefüllungen reduziert sich das Verpackungsaufkommen um drastische 75 Prozent. Mehr Informationen zum Refill-Ansatz von Henkel bietet bei Interesse ein Artikel im B+P Game-Changer-Blog.

Zu den Finalisten des diesjährigen Awards gehörte eine Lösung aus dem Bereich chemisches Recycling. Das mechanische Recycling von Kunststoff stößt aktuell an seine Grenzen. Quantitativ fehlen die benötigten Kapazitäten. Qualitativ fehlt die benötigte Güte für einen Einsatz der Rezyklate im Lebensmittelbereich. Während Politik und Umwelt-NGOs das chemische Recycling vorwiegend kritisch beäugen und kontrovers diskutieren, suchen Unternehmen der Branche pragmatisch nach validen Antworten, um die Kreisläufe zu schließen. Die Pilot-Verpackung von BASF, die bei den Awards ausgezeichnet wurde, ist genau hier zu Hause.

Packaging Europe berichtet in mehreren Artikeln ausführlich über alle Gewinner und Finalisten des diesjährigen Awards.

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    Karsten Beutner

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