Rohstoffmangel beeinträchtigt betriebliche Abläufe. Was hilft?

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Der Rohstoffmangel hält die Branche weiter im Griff und beeinträchtigt inzwischen auch die betrieblichen Abläufe massiv. Fast kein Unternehmen kann sich der Situation entziehen. Und die Lage bleibt angespannt. Die Engpässe werden uns laut Umfragen wohl bis mindestens Ende 2022 beschäftigen. Wie das auf betriebliche Abläufe zurückschlägt, wie die Unternehmen darauf reagieren und was Sie aus unserer Sicht jetzt tun können, stellen wir Ihnen an dieser Stelle vor.

 

Die angespannte Situation am Rohstoffmarkt beschäftigt Unternehmen über alle Branchengrenzen hinweg. Auch die Verpackungsbranche ist betroffen. Besonders angespannt ist die Situation weiterhin im Bereich Kunststoff. Hier berichten 95 Prozent der Firmen, dass der Rohstoffmangel inzwischen auch die betrieblichen Abläufe massiv beeinträchtigt.

Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) geht davon aus, dass die Engpässe voraussichtlich bis Ende 2022 anhalten werden. Als Grund für die Situation gelten eine unerwartet angestiegene Nachfrage nach den Corona-Lockdowns, eine ungewöhnliche hohe Zahl von Fällen höherer Gewalt (Force Majeure) und Lieferschwierigkeiten durch Probleme in der Logistik.

 

Betriebliche Abläufe im roten Bereich

Die Rohstoffsituation schlägt durch und beeinträchtigt auch die betrieblichen Abläufe. Die Folgen:

Sinkende Effizienz

  • Der Aufwand für Planung und Verhandlungen ist erheblich angestiegen. Laut einer Umfrage der DIHK (Deutscher Industrie- und Handelskammertag) sind 65 Prozent der Unternehmen davon betroffen.
  • Der erhöhte Aufwand zieht Ressourcen. Mehr eingespannte Mitarbeiter und ein erhöhter Zeitaufwand führen zu gestiegenen Kosten.
  • Um Kosten aufzufangen und in der Einkaufsabteilung personell nachbessern zu können, reagieren einige Unternehmen im Produktionsbereich mit dem Abbau von Überstunden oder Kurzarbeit.

Kalkulationsprobleme

  • Die meisten Unternehmen verfügen nur über eine Standard-Kostenkalkulation. In dieser können Produktionsstopps, Veränderungen oder unvorhergesehene Probleme nicht eingeplant werden. Notwendige Berechnungen können deshalb nicht durchgeführt werden. Im Ergebnis sind deshalb die Kosten für die Produktion oft erst bekannt, wenn bereits fertig produziert wurde. Im Regelfall ist die Kalkulation im Vorfeld dann Makulatur und die tatsächlichen Kosten deutlich höher. Die Gründe für das Problem liegen in der fehlenden Flexibilität der Kalkulations-Tools und der fehlenden Schnittstelle für Rückkopplungen zwischen der Fertigung und anderen Unternehmensbereichen, insbesondere der Kalkulation. Darüber hinaus ist die Agilität im Unternehmen oftmals zu gering ausgeprägt, um gut auf Probleme reagieren zu können

Verschlechterte Kundenbeziehung

  • Die DIHK-Umfrage zeigt auch, dass 67 Prozent der Unternehmen ihre gestiegenen Kosten an die Kunden weitergeben müssen. Das kann die Beziehung massiv beeinträchtigen. Im schlimmsten Fall sucht sich der Kunde einen neuen Lieferanten.

 

So reagieren die Unternehmen

Um den Schaden möglichst gering zu halten, reagieren die Unternehmen mit unterschiedlichen Maßnahmen, die aus der Not geboren sind. Dazu gehören insbesondere:

  • Die Suche nach weiteren Lieferanten.
  • Die Erhöhung der Lagerhaltung wo möglich.
  • Eine flexiblere Produktionsplanung in Abhängigkeit von der Rohstoffverfügbarkeit durch den Einsatz von Schichtmodellen oder Fertigungsintervallen.
  • Eine kostenintensivere Beschaffung über Alternativquellen wie beispielsweise Online-Portale, Broker oder auf dem Spotmarkt.
  • Ein internes Krisen- und Risikomanagement, das ein engmaschiges, betriebsinternes Reporting in Bezug auf Rohstoffverfügbarkeiten und Preisentwicklungen verfolgt. Die Produktion wird dann entsprechend angepasst.
  • Teilweise wird auch versucht den Kunden nur begrenzte Mengen zu verkaufen, um die verfügbare Ware auf möglichst viele Kunden verteilen zu können.
  • Alternativ wird versucht, Projekte terminlich zu flexibilisieren oder zu verschieben.

 

Unsere Empfehlung

Begegnen Sie der Situation mit kurzfristigen und langfristigen Maßnahmen:

Lieferanten

Kurzfristig ist die Kommunikation mit den Lieferanten am wichtigsten. Pflegen Sie den regelmäßigen Kontakt, um warnende Indikatoren möglichst frühzeitig zu erkennen. Führen Sie kontinuierliche Verhandlungen über Preis- und Liefertermine. Schließen Sie nach Möglichkeit langfristige Lieferverträge ab. Und begleichen Sie Rechnungen schnell.

 

Effizienz und Recycling

Langfristig sollten Sie auf die Kreislaufwirtschaft, den Ausbau von Recycling-Maßnahmen und mehr Ressourceneffizienz setzen. So können Sie die Abhängigkeit von den aktuellen Rohstoffquellen reduzieren. Dieser Weg bringt viele Chancen, erfordert jedoch auch die verstärkte Förderung von Forschung und Entwicklung im Hinblick auf neue Materialien, Produkte und Technologien.

 

Regionalität, Lager, Standorte

Eine weitere Maßnahme ist die stärkere Erschließung heimischer Rohstoffe und/oder der Aufbau von Rohstofflagern in Deutschland und der EU.

Ebenfalls könnten Unternehmen mehr Komponenten oder Vorprodukte produzieren bzw. vorhalten, um die Abhängigkeit von ausländischen, logistikintensiven Lieferanten zu reduzieren und die Transportkosten zu senken.

 

Reduzierung der Rohstoffkomplexität

Unterstützen könnten wir Sie auch bei der Optimierung Ihres Produktportfolios mit dem Ziel, die Komplexität des Rohstoffbedarfs zu reduzieren.

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    Karsten Beutner
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