Steile Kurve bei Rohstoffpreisen. Was kann man tun?

Kunststoff, Metall, Holz, Papier, Glas, Rohöl, Strom: Die Preise für Packstoffe und Energie steigen weiter an und führen zu höheren Produktionskosten, die sich bis zu Verbraucher durchschlagen. Im Ergebnis steht ein Inflationscocktail. Die Gründe für den Preisanstieg sind vielfältig – von Angebot und Nachfrage über wirtschaftliche, demografische und politische Aspekte, Wetter und Inflation bis hin zum Dollarkurs. Die Einflussmöglichkeiten für Unternehmen sind gering. Dennoch gibt es Werkzeuge, die Handlungsspielraum eröffnen.

 

Im Wesentlichen bieten sich Unternehmen – neben der Reduzierung des Materialaufwands über neue Technologien oder ein verbessertes Verpackungsdesign – drei Wege, den steigenden Rohstoffpreisen zu begegnen: Finetrading, Lieferantenauswahl und Absicherung über die Terminbörse.

Bevor wir diese Optionen im Detail betrachten, werfen wir einen Blick auf das Ausmaß der Preissteigerungen und deren Ursachen.


Situation bei den Rohstoff- und Energiepreisen

  • Kunststoff: Mehr als 85 Prozent der Mitgliedsbetriebe des Industrieverbands Papier- und Folienverpackung (IPV) bezeichnet die aktuelle Versorgungslage mit Kunststoffen als schlecht, die Hälfte sogar als sehr schlecht. Die Kosten der Materialbeschaffung sind extrem gestiegen und erreichen bei Granulaten und Folien bis zu 60 %. Mit einer Erholung rechnen Experten erst im Herbst 2021.
  • Metall: Die Preise für Aluminium, Eisenerz, Zinn und Stahl sind nach Angaben der deutschen Rohstoffagentur im Aufwärtstrend. Zum Teil fehlen bereits Vormaterialien, was sich beispielsweise beim 200 Liter Fass durchschlägt, das zur Mangelware geworden ist. Die Gründe liegen unter anderem beim erhöhten Bedarf der Chemieindustrie, zunehmenden Ausfuhren in das (wieder) boomende China, abgeschalteten Hochöfen und stillgelegten Minen. Auch der inzwischen wieder angezogene Mehrbedarf der Automobilindustrie an flachgewalztem Stahl trägt zur Knappheit bei.
  • Holz: Prognostiziert war ein Nachfragerückgang für Schnittholz. Die Realität sieht anders aus. Das Angebot ist knapp, die Lieferzeiten mit bis zu vier Monaten sehr lang. Das schlägt sich in steigenden Preisen nieder. Zu den Ursachen zählt die boomenden Baubranche, wachsende Exporte nach Nordamerika, die maßnahmenbedingte Schließung von Sägewerken und eingebrochene Lieferketten aus Skandinavien und Osteuropa.
  • Papier: Die Entwicklung bei Holz zieht sich naturgemäß zum Papier hin durch. Die Produzenten von Verpackungspapieren und Inkjetpapieren müssen ihre Preise entsprechend erhöhen.
  • Glas: Die Preise für Sand als Rohstoff für Glas zeigen seit über 10 Jahren einen stabilen Aufwärtstrend. Zu den Treibern gehört auch hier der Bauboom. Aber auch die fortschreitende Digitalisierung benötigt immer mehr Sand für Mikrochips, bei denen es ebenfalls bereits Lieferengpässe gibt. Nicht zuletzt boomt Glas auch bei Verpackungen, da es im Zuge der wachsenden Bedeutung der Kreislaufwirtschaft mit seiner guten Recyclingfähigkeit punktet.
  • Strom: Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ist der Preis für Strom in den letzten 10 Jahren um 28 Prozent gestiegen, obwohl die Erzeugerpreise um 13 Prozent gesunken sind. Verantwortlich für die höheren Stromkosten sind vor allem die enthaltenen Steuern und Abgaben (Steigerung um 65 Prozent) sowie die Netzentgelte (Steigerung um 26 Prozent).
  • Rohöl war im Jahr 2020 so günstig wie lange nicht mehr. Durch die wieder anziehende Wirtschaft und Maßnahmen der erdölexportierenden Länger zeigt die Preiskurve allerdings bereits wieder nach oben.

 

Die Ursachen der steigenden Rohstoffpreise

  • Wirtschaftliche und politische Faktoren. Dazu gehören auch Strafzölle und Handelskriege.
  • Wetter
  • Faktoren wie steigende Rohstoffpreise und Rohstoffverknappung ergeben einen „Inflationscocktail“, der den ohnehin erwarteten Inflationsanstieg weiter beschleunigt. Denn höhere Rohstoffpreise lassen auf Unternehmensebene die Produktionskosten steigen. Dies wiederum bekommen dann auch die Verbraucher zu spüren.
  • Bevölkerungswachstum. Eine steigende Weltbevölkerung benötigt mehr von allem.
  • Zentralbanken. Niedrige Leitzinsen und quantitatives Easing, also der Kauf von Anleihen, sorgen auf den Märkten für zusätzliche Liquidität, was die Inflation antreibt und die Preise steigen lässt.
  • Regulierungstätigkeiten. So fordert beispielsweise eine neue EU Verordnung seit dem 1. Januar 2021 von Rohstoffimporteuren eine besondere Sorgfaltspflicht, was Kosten und damit Preise treibt.
  • Währungsrisiken. Der Dollar ist die Leitwährung auf dem Weltmarkt für Rohstoffe. Steigt der Wert des Dollar gegenüber dem Euro, führt dies zu steigenden Rohstoffpreisen. Dieser Effekt zeigt sich nicht nur beim Öl, sondern auch bei Metallen und Agrarrohstoffen. Für europäische Rohstoffimporteure ist ein starker Euro deshalb wünschenswert. Niedrige Leitzinsen und quantitatives Easing führen jedoch tendenziell zu einem schwächeren Euro.


Handlungsmöglichkeiten für Unternehmen

Im Regelfall haben Unternehmen keinen Einfluss auf die genannten Ursachen und Einflussfaktoren für steigende Rohstoffpreise. Dennoch ist man der Entwicklung nicht komplett schutzlos ausgeliefert. Mögliche Handlungsoptionen sind:

  • Reduzierung des Materialeinsatzes durch neue Technologien oder ein optimiertes Design. Die Verpackungsindustrie hat ihren Material- und Energieeinsatz über die letzten Jahrzehnte immer weiter reduziert. Ein Großteil des Potentials dürfte damit ausgeschöpft sein. Dennoch bieten sich hier in Einzelfällen noch Einsparmöglichkeiten. Im Bereich Verpackungsdesign bieten sich demgegenüber größere Chancen.
  • Verwendung alternativer Materialien. Auch hier gibt es in Einzelfällen Möglichkeiten, steigenden Rohstoffpreisen zu begegnen, beispielsweise durch den Einsatz alternativer Faser-Rohstoffe für Verpackungspapiere. Allerdings sind die auf dem Markt verfügbaren Mengen meist begrenzt.
  • Finetrading. Finetrader übernehmen den Rohstoffeinkauf und bezahlen ihre Lieferanten sofort. Anschließend verkaufen Finetrader die Ware mit einem Zahlungsziel an ihre Kunden. Finetrader verfügen im Regelfall über eine hervorragende Bonität und erhalten deshalb bei allen Lieferanten die gewünschte Ware.
  • Den richtigen Lieferanten finden. Ein „normaler“ Lieferant kauft Rohstoffe zu Marktpreisen und verkauft sie mit einem Zuschlag an seine Kunden. In diesem Fall ist man als Kunde den schwankenden Rohstoffpreisen unmittelbar ausgesetzt. Es gibt jedoch auch Lieferanten, die umfassender agieren und ein eigenes Rohstoffkurs-Management betreiben, beispielsweise, indem sie am Terminmarkt tätig werden oder günstige Rohstoffkurse für umfassende Einkäufe nutzen. Dadurch kann der Lieferant seine Rohstoff-Verkaufskurse relativ stabil halten.
  • Terminbörse. Unternehmen, die ein Konto bei einer Terminbörse halten, können ihre Rohstoff-Einkaufspreise über Futures und Optionen beeinflussen und sich gegenüber Preissteigerungen absichern.
    • Bei Futures handelt es sich um „unbedingte Termingeschäfte“, bei denen zwei Vertragspartner eine verbindliche und verpflichtende Vereinbarung über den Verkauf und die Abnahme einer festgelegten Menge eines bestimmten Basiswerts bzw. Rohstoffes zu einer festgelegten Qualität und zu einem festgelegten Termin treffen.
    • Optionen sind dagegen bedingte Termingeschäfte. Optionen bieten dem Käufer das Recht, einen bestimmten Basiswert bzw. Rohstoff zu einem festgelegten Zeitpunkt und einem festgelegten Preis zu erwerben. Eine Kaufpflicht besteht hierbei nicht.

Welche der genannten Optionen für ein Unternehmen sinnvoll und umsetzbar sind, lässt sich nur im Einzelfall unterscheiden. Wichtig ist, seine Möglichkeiten zu kennen und auszuloten. Um eine Analogie zu nutzen: Gegen das Wetter an sich sind wir machtlos. Aber die richtige Kleidung können wir wählen.

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