Verpackungsinnovationen: Vorwärts immer, rückwärts nimmer (auch wenn es noch ruckelt)

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Nachhaltigkeit stand im Zentrum der Verpackungsinnovationen 2022. Wir blicken zurück und ziehen einen Strich – mit Fokus auf Materialeffizienz, Minimierung des Materialeinsatzes und Einsatz von nachhaltigeren Materialien beim Verpackungsdesign mit Aspekten wie Paperisation, flexible Verpackungen, Overpackaging und Sekundärverpackung. Beim Ausblick für 2023 bekräftigen wir Trends des auslaufenden Jahres und legen einen Schwerpunkt auf die regulatorische Arbeit, die Energie- und Rohstoffkrise, Reuse-Modelle und Rezyklateinsatz.

 

Die Verpackungsinnovationen des Jahres 2022 waren von einem zentralen Gedanken geleitet und mussten sich einer zentralen Messlatte stellen: Sind sie nachhaltig? Oder sind sie nicht nachhaltig?

Als B+P haben wir in den vergangenen Newslettern dieses Jahres die Konzepte und Ideen der Ellen MacArthur Foundation für die Verpackungsindustrie vorgestellt – von der Vermeidung über Substitution mit Papier bis hin zum Einsatz von neuen, nachhaltigeren Materialien.

 

Was bleibt als Fazit und was können wir daraus lernen?

Im Rückblick auf die spannendsten Innovationen in 2022 und als Ausblick auf 2023 betrachten wir drei Themen ausführlicher: Materialeffizienz und Minimierung des Materialeinsatzes, Einsatz von nachhaltigeren Materialien und Best Practices für innovatives Verpackungsdesign.

 

Materialeffizienz und Minimierung des Materialeinsatzes

  • Overpackaging: Innovatives Verpackungsdesign legt heute großen Wert auf die Minimierung des Materialverbrauchs und die Entwicklung leichter Verpackungslösungen. Themen wie Overpackaging rücken in den Mittelpunkt. Die neue Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) wird diesen Themen gehörig weiteren Schub bringen. Im Bereich „Politik“ unseres Newsletters werfen wir einen Blick auf PPWR.
  • Flexible Packaging: Die Ellen MacArthur Foundation (EMF) ruft in einem Statement zur Vermeidung von Flexible Packaging auf. Im Rahmen eines Maßnahmenkatalogs sollen flexible Einweg-Kunststoffverpackungen zukünftig komplett vermieden werden, da sie unabhängig von Material oder Geografie als Abfall nur sehr schwierig zu beseitigen seien. Allerdings erkennt die Stiftung an, dass es Anwendungen gibt, in denen flexible Einwegverpackungen beim derzeitigen Stand nicht ersetzt werden können. Deren Kreislaufführung und die Substitution von Kunststoff durch Papier oder Biokunststoff sieht die EMF als einen notwendigen Teil der Lösung auch wenn Ertrag und Qualität dieser Ansätze begrenzt seien.

 

Einsatz von nachhaltigeren Materialien

Voran gestellt sei unsere Überzeugung, dass es trotz gesellschaftlichen Drucks wichtig ist, beim Thema Materialnachhaltigkeit nicht blind einen Packstoff durch einen anderen zu ersetzen. Die Funktionalität der Verpackung sollte immer (wieder) in den Vordergrund gestellt werden.

  • Paperisation: Die Hinwendung zu Papier, insbesondere auch zur Substitution von Kunststoff, ist 2022 ein starker Trend geblieben. Experten des Papierherstellers UPM-Kymmene Oyj schätzen, dass bis zum Jahr 2040 jährlich bis zu 4,7 Millionen Primärverpackungen für Lebensmittel verwendet werden könnten. Verglichen mit Angaben von Euromonitor entspricht das rund dem Doppelten der derzeitigen Menge. Die im Euromonitorbericht “Sustainable Food Packaging” befragten Branchenexperten glauben, dass bis zu 40 Prozent dieser Verpackungen aus Fasern bestehen könnten.
  • Achtung Sekundärverpackungen: Aber auch für faserbasierte Verpackungen ist nicht alles Gold, was glänzt. Wir sehen im Markt eine größer werdende Bewegung zum nächsten Schritt. War es anfangs (nur) das Bemühen, weg vom Kunststoff und hin zum Papier sichtbar, drängt sich jetzt die Frage auf: Braucht es diese Verpackung grundsätzlich oder kann die weg, auch wenn sie aus Fasern besteht (siehe hierzu z.B. Tescos Initiative zur Streichung der Sekundärverpackungen bei Zahnpastatuben).

 

Best Practices für innovatives Verpackungsdesign

Gegenwärtig basieren die Best Practices für innovatives Verpackungsdesign auf der Perspektive des gesamten Lebenszyklus (LCA: Life Cycle Assessment).

Demnach gelten Materialien als nachhaltig, wenn sie:

  • einen reduzierten Kohlenstoff-Fußabdruck während ihrer Herstellung aufweisen.
  • in Modelle der Kreislaufwirtschaft integriert werden können, die den Verpackungsabfall minimieren. Recycelbare oder wiederverwendbare Materialien stehen in diesem Zusammenhang weit oben. An Maßnahmen dieser Art arbeiten nach Angaben von McKinsey 60 Prozent aller Unternehmen.

Verpackungen grundsätzlich zu vereinfachen gehörte ebenfalls zu den Best Practices für 2022 mit Wiedervorlage im neuen Jahr. Das gilt unabhängig vom verwendeten Material und ganz gleich, ob Verbundstoff oder Monomaterial. Denn die Vereinfachung der Verpackung zahlt auf die beiden oben genannten Punkte ein.

Der Einsatz von biobasierten Materialien oder Materialien aus erneuerbaren Quellen bliebt im auslaufenden Jahr noch ein Nischen-Thema. Aber es entwickelt sich und man darf gespannt sein, welche Fortschritte 2023 bringen wird.

 

Was kommt 2023 und was können wir daraus lernen?

Die Trends aus 2022 haben ihr Ablaufdatum nicht erreicht. Sie werden sich im Gegenteil 2023 noch verstärken. Herausheben wollen wir drei Punkte, die auf Innovationen und Verpackungsdesign Einfluss nehmen: Die Auswirkungen der Regulierungen, die Energie- und Rohstoffkrise und das Thema Rezyklat.

  • Regulierungen: Regulierungen werden einen weiter steigenden und immer größeren Einfluss auf das Verpackungsdesign haben. Die neue EU Verordnung zum Einsatz von Rezyklaten im Lebensmittelbereich und die neue PPWR sowie die Single-Use-Plastic Gesetze sind hier Beispiele, denen wir uns im „Politik“-Teil dieses Newsletters widmen.
    • Auch die Diskussion um Reuse-Modelle wird durch regulatorische Eingriffe verstärkt. Das führt zu schon sichtbaren neuen Mehrweg-Innovationen auf dem Markt, beispielsweise für den Außer-Haus Bereich.
  • Energie- und Rohstoffkrise: Die Energie- und Rohstoffkrise zwingt Verpackungshersteller zu einer Revision ihrer Produktionsprozesse. Das könnte Innovationen im Verpackungsdesign und eine Bewegung hin zu weniger energieintensiven Materialien und Verfahren auslösen.
  • Rezyklat: 2023 wird ein spannendes Jahr im Bereich Rezyklate. Wenn Sekundärrohstoffe aus den unterschiedlichsten Technologieströmen auf dem Markt kommen. Um die selbstgesteckten und/oder geforderten Ziele in 2025, 2030 und 2040 zu erreichen, sind jedoch massive Sprünge notwendig. Das betrifft nicht nur die Materialseite, sondern auch das Verständnis in den Design- und Marketingabteilungen. Denn ein höherer Einsatz von Rezyklaten erfordert neues Denken im Marketing und Branding.

 

Unsere Einschätzung

  • Fossile Rohstoffe sind auf dem Rückzug. Punkt.
  • Für Kunststoffverpackungen liegt die Zukunft bei der Gewichtsreduktion und dem Einsatz von nachhaltigeren Materialien.
  • Für den Karton- und Faltschachtelbereich steht vor allem das Thema Overpackaging und der Trend zur Reduktion von Sekundärverpackungen auf der Agenda.
  • Für Unternehmen ist es derzeit noch schwierig, alle Entwicklungen im Blick zu behalten. Teilweise sehen sie sich auch mit einer Quadratur des Kreises konfrontiert nach dem Motto: 100 Prozent Rezyklateinsatz aber trotzdem reinweiß.
  • Die Energie- und Lieferkettenprobleme werden uns auch 2023 begleiten und alle Unternehmen vor Herausforderungen stellen.
  • Grundsätzlich aber ist der Zug in die Richtung eines neuen, nachhaltigeren Verpackungsdesigns Die großen Rahmenbedingungen sind definiert.


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    Jenny Walther-Thoß

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