Die Verpackungswirtschaft ist systemrelevant. Das wird oft vergessen – gerade von ihr selbst

Systemrelevanz der Verpackungsindustrie

Das Coronavirus SARS-CoV-2 stürzt die Welt in eine existentielle Notlage. Gerade in Krisenzeiten wie diesen zeigt sich, welch zentrale Bedeutung Verpackungen haben, um die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Medikamenten verlässlich sicherzustellen. Denn kein Gut erreicht seinen Verwender oder Konsumenten ohne Verpackung.

Grundlegend für die systemrelevante Leistung der Verpackungswirtschaft ist, dass die benötigten Rohstoffe und Verpackungsmaterialien in ausreichender Menge zur Verfügung stehen und ausgeliefert werden können.

Die aktuelle Situation an den Grenzen stellt die internationalen Lieferketten jedoch vor große Herausforderungen. Schleppende Abfertigungen sorgen für lange Staus von LKWs mit dringend benötigten Materialien. Das bedrohen die Leistungsfähigkeit der Industrie und damit die Versorgungssicherheit der Bevölkerung und der medizinischen Infrastruktur.

Die Situation kann sich sogar noch verschlimmern, sollte es im Rahmen der Pandemieabwehr zu Werksschließungen und Arbeitsverboten für die Unternehmen der Verpackungsindustrie kommen.

Ein wichtiger Grund für diesen Zustand ist, dass die Unternehmen der Branche nicht sofort unter die Bestimmungen kritischer Infrastruktur fielen und entsprechend in den Bordermanagement-Plänen der Nationalstaaten und der EU keine Priorisierung sofort erhielten.

Die fehlende sofortige Priorisierung der Verpackungswirtschaft und ihre Anerkennung als systemrelevante Industrie ist offensichtlich ein Versäumnis. Es wäre jedoch zu kurz gedacht, dieses Versäumnis an erster Stelle der Politik anzulasten. Es ist vielmehr die Verpackungswirtschaft selbst, die hier seit Jahren versagt.

Wir haben es nicht geschafft, unsere Systemrelevanz deutlich zu machen. Anstatt sich als systemrelevante Industrie zu positionieren und die eigene Bedeutung nicht nur für Lebensmittelsicherheit, sondern auch für Hygiene und Versorgungssicherheit deutlich zu machen, verliert sich die Branche in Inseldenken und Scharmützeln der Materialfraktionen. Anstatt mit vereinter Stimme zu sprechen, pflegen wir noch viel zu oft den kakophonischen Chor – meist kurzfristiger – Einzelinteressen.

Die aktuelle Situation ist eine Ohrfeige für Branche. Sie ist selbstverschuldet und man kann nur hoffen, dass der Schmerz das Lernen fördert. Wir müssen gemeinsam handeln. Und wir müssen unserer Verantwortung gerecht werden. Denn Verpackungen und die Leistungen der Verpackungswirtschaft sind von kritischer Relevanz – in Krisenzeiten noch mehr, als ohnehin.

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