Dämonisierung der Kunststoffverpackung nimmt weiter zu

Dämonisierung der Kunststoffverpackung nimmt weiter zu

„Zu viel“, „zu unnötig“, „zu umweltschädlich“ oder „voller gesundheitsschädlicher Bestandteile“ sind beispielsweise Vorurteile, die gegen die Verpackungsbranche hervorgebracht wurden und werden. So ähnlich die Vorurteile über den Lauf der Zeit auch sind, die im Fokus der Öffentlichkeit stehenden Materialien ändern sich.

Derzeit ergießt sich die Welle der öffentlichen Empörung über die Kunststoffverpackungen. Vor allem die immer stärker zunehmende Verschmutzung der Ozeane und der damit verbundenen Folgen hat die Kunststoffverpackung noch stärker in den Fokus vieler Umweltschützer und NGOs rücken lassen.

Die Politik hat den öffentlichen Druck aufgenommen und beginnt Einwegprodukte aus Kunststoffen gezielt zu verbieten. Einweggeschirr, Strohhalme und Ohrstäbchen aus Kunststoffen sind die ersten Produkte, die im Kampf gegen „Ocean Littering“ verboten werden sollen. Weitere Einwegprodukte sollen folgen.

In der Gesellschaft und der Politik hat sich scheinbar ein Konsens gebildet: Lösungen ohne Kunststoff sind umweltfreundlicher. Die Menge an Kunststoff soll „zurückgedrängt“ werden. Nur Produkte für die es keine bessere Alternative gibt, sollen nicht verboten werden.

Die Denkweise ist sehr eindimensional. Kunststoff ist nicht die Ursache von „Ocean Littering“, sondern aufgrund der hohen Verbreitung des Materials und seiner Eigenschaft im Wasser zu schwimmen nur der sichtbare Beweis eines anderen Problems – dem nachhaltigen Umgang mit Abfällen. Ein Ersatz von Kunststoff durch Alternativen wie Glas, Aluminium oder Metalle ändert an der Verschmutzung nichts. Auch hat sich der Irrglaube durchgesetzt, dass Produkte aus Papier, Pappe und Karton immer eine bessere Klimabilanz aufweisen als Alternativen aus Kunststoff.

Während früher Öko-Bilanzen genutzt wurden, um einen ökologischen Vorteil von einzelnen Verpackungen oder Produkten für sich zu beanspruchen, reicht heute schon der Hinweis auf „kunststofffrei“, um ein positives Image zu erlagen – unabhängig von dem wirklichen ökologischen Nutzen. Bestes Beispiel hierfür ist das Image der Papiertüte, die selbst auf der Seite des Nabu als unökologische Alternative zur Kunststofftüte erkannt wird. (https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/alltagsprodukte/19463.html)

Das Anfertigen von Öko-Bilanzen wird den Kunststoffherstellern und -verwendern also nicht helfen. Um dauerhaft das Image von Kunststoffverpackungen zu heben braucht es mehr. Ein erster Schritt ist die „Alliance to End Plastic Waste“ (AEPW), die von mehr als 20 internationalen Konzernen aus dem Kunststoff- und Markenartikelbereich (wie BASF, Henkel, DOW, P+G) gegründet wurde.

Mit der AEPW werden die Unternehmen rund 1,5 Milliarden Dollar bereitstellen um in Asien den Kampf gegen die unkontrollierte Verbreitung von Kunststoffmüll zu unterstützen. Ein richtiger Weg, der vermutlich mehr bringt als das EU-Verbot, denn die Haupteintragsquellen von Kunststoffen in die Meere liegen in Asien.

Die Dämonisierung von Kunststoffen bringt also auch etwas Gutes hervor. Wir dürfen nur nicht vergessen, dass in vielen Fällen Kunststofflösungen die bessere Alternative sind – auch für die Umwelt. Die Forderung: „No plastic!“ ist KEIN Umweltziel, sondern reine Ideologie. Wir brauchen mehr nachhaltigere Kunststoffe, bessere Recyclingkreisläufe und einen besseren Umgang mit unseren Abfällen um die Welt aus Gesichtspunkten der Umwelt zu verbessern.

 

  1. Ansprechpartner: » Sebastian Klaus

 

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Matthias Giebel

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